Abzählreim für Erwachsene
Vorneweg: Es geht um einen “Jungsfilm“! Wenn die bessere Hälfte in die Vorpremiere von “Twilight – Eclipse”rennt, muss man(n) die Zeit überbrücken und sucht sich einen entsprechend kurzweiligen Film aus. Mit anderen Worten, man(n) geht nicht ins Kino, um gefühlsschwangere, anspruchsvolle oder irgendwie tiefsinnige Dialoge zu hören, sondern um 104 Minuten lang zu entspannen und sich von Action berieseln und mitreissen zu lassen. Das gelingt meinem ausgewählten Film PREDATORS alles in allem recht gut! Erstaunlich ist nur, dass Dialoge und Szenen aus dem Trailer gar nicht im Film vorkommen. Da ist wohl ein alternatives Ende mit in den Zusammenschnitt gerutscht. Aber nun zur Handlung:
Der Film beginnt quasi im freien Fall. Nicht vom Niveau her – denn das bewegt sich wie die Dialoge von Beginn an auf überschaubarer Ebene – sondern zur Einführung der Protagonisten. Die werden zu ihrer eigenen Überraschung mit Fallschirmen über einem Dschungel abgeworfen. Die bunt zusammen gewürfelte Truppe, bestehend aus Mördern, Yakuza, Elitesoldaten, Scharfschützen, Todesschwadron und einem Doktor stellt schnell fest, dass sie sich nicht auf der Erde befindet, sondern auf einem fremden Planeten. Genauer in einem Wildreservat, in dem sie selbst das ( gut bewaffnete ) Wild sind. Gejagt von drei Predatoren einer neuen Rasse, welche die Truppe mit hundeartigen Bestien aufspüren und dann, frei nach einem bekanntem Abzählreim, Mitglied für Mitglied dezimieren. So besteht denn die größte Spannung vor allem darin, wen es als nächsten erwischt und ob vielleicht einer der Predatoren mit ins Gras beissen muss.
Schade dabei ist, dass sich der Film nicht die Zeit lässt, auf die angerissenen Handlungsstränge wirklich näher einzugehen. So verpufft sowohl das verblüffende Auftauchen des Mannes, der seit 10 Saisons auf dem Planeten überlebt und bereits drei Predatoren tötete, sowie die eigentlich als Überraschung gedachte, charakterliche Wandlung des Doktors, in der viel zu rudimentären Auskleidung der Einzelgeschichten. Sowas passiert, wenn man sich nicht die Zeit nimmt, seine Charaktere wirklich in den Film einzuführen.
Die Höhepunkte des Films, der Kampf zwischen Yakuza Hanzo samt Samuraischwert und einem der Predatoren, sowie das Duell von zwei Predatoren unterschiedlicher Rasse, leidet zudem unter dem offenbar geringen Produktionsbudget. Das trifft aber nicht nur auf die Höhepunkte zu. Vieles im Film wirkt etwas altbacken und manchmal wenig real. Die beabsichtigte Ankoppelung an den ersten Predatorfilm gelingt in meinen Augen nie – weder durch die herrschende Atmosphäre im Film, noch mit Blick auf die düstere Bedrohung, welche bei Arnies Dschungelexpedition herrschte. Jede Fortsetzung hat schlicht das Problem, dass man den Jäger bereits kennt. Das fällt nicht ins Gewicht, wenn die Predatoren Aliens jagen, aber dieser Film leidet darunter. Dramatik oder gar richtige Spannung kommt deshalb zu keinem Zeitpunkt auf, zumal die Predatoren zwar über neues Aussehen, nicht aber über die überraschenden und teils spektakulären Waffen aus den beiden ersten Filmen oder der “Alien vs Predator” – Serie verfügen. Die gute, alte Schulterplasmakanone samt dreifach Laserpointer zur Zielerfassung ist mittlerweile etwas ausgelutscht. Originelle Ideen, wie die gestachelten Jagdhunde der Predatoren, werden nicht wirklich zu Ende gedacht. Außerdem ist dem Zuschauer schon nach 15 Minuten des Films klar, wer das Spektakel überleben wird.
Was am Ende bleibt ist ein Film, der den Betrachter in 104 einigermaßen kurzweiligen Minuten zu einem ( für mich ) unbefriedigenden Ende führt, welches die Fortsetzung allerdings schon in Aussicht stellt. Ob ich mir die dann aber im Kino antun werde oder nicht lieber auf die DVD warte, muss ich mir bis dann wirklich überlegen.








