Abenteuer Einkaufen
Samstag, 14.00 Uhr. Mal eben einkaufen – nur ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt um die Ecke – und bis zum Beginn der Bundesliga um halb vier wieder da sein. Just Leergut weg bringen und eine neue Kiste Bier und ein wenig Saft für den geplanten Spieleabend holen. Sollte schnell gehen. Sollte…
Am real angekommen findet man(n) erst mal keinen Parkplatz. Dann, weit ab vom Schuß, erst mal die leeren Kisten und die leeren Flaschen in den Einkaufswagen und im Stechschritt Richtung Eingang. In der Tür vor mir ein Rentnerehepaar. Er klammert sich an den Einkaufswagen und nutzt ihn als Gehhilfe, während er eine Schrittlänge vorlegt, über die selbst das Engelchen mit ihren 19 Monaten lachen würde. Kurzzeitig fragt man(n) sich (wie so oft), warum die eigentlich am Samstag einkaufen gehen müssen? Dann kommt es ihm in den Sinn, dass die beiden womöglich zu Fuß zum einkaufen wollten, ihr Tempo unterschätzten und womöglich eigentlich schon am Donnerstag…
…aber dann ist man(n) auch schon in der Lage zu überholen. Nun ist es im real ja leider so, wie in allen Supermärkten. Es gibt Leergutautomaten. Ihr kennt doch sicher diese technologische Meisterleistung, die zwar Mitarbeiter eingespart, aber die Lage nicht gerade verbessert haben. Schon von weitem höre ich das bekannte Alarmsignal, wenn mal wieder eine Pulle nicht erkannt werden konnte. Seit es Leergutautomaten gibt, denke ich echt über die Erfindung von Warnblinkanlagen für Einkaufswagen und Verkehrsfunk für Supermärkte nach. “Vorsicht liebe Einkäufer, bei Besuch des real in Brackwede. Das Stauende vor dem Leergutautomaten liegt hinter einer Kurve. Es ist mit Wartezeiten von gut 20 Minuten zu rechnen.”
Denn kaum um die ersten Kistenstapel gebogen, treffe ich schon auf besagtes Stauende. Entsetzt sehe ich, wie vor mir eine große Anzahl Menschen darauf wartet, ihr eigenes Leergut los zu werden, während am linken Automaten jemand gefühlte 25 Taschen mit einzelnen Flaschen Stück für Stück in den Schacht entleert. Rechts hebt eine junge Mutter in aller Seelenruhe immer wieder ihren Sprößling hoch und lässt ihn die “Pullas” in die Luke schieben – leider meist falsch herum, was den ständigen Alarm erklärt, den ich schon am Eingang gehört habe. Mama ficht das ebenso wenig an, wie die zahlreichen wartenden Menschen, von denen einige vor sich hin brummeln, während kollektives Kopfschütteln die Warteschlange oberhalb der Schultern in lustig anzusehende Bewegungen versetzt. Ich mein’, man(n) hat ja selbst ein kleines Kind, aber man(n) nimmt dennoch Rücksicht auf die Mitmenschen.
Aber gut, man(n) stellt sich geduldig an, direkt neben dem Schild “ab hier noch 15 Minuten” und wartet bis man(n) an der Reihe ist. Natürlich muss man(n) auch zwei Flaschen wieder mit nehmen, weil das Wunderwerk der Technik den Strichcode aus irgendwelchen Gründen nicht mehr lesen kann. Da kann man wirklich von einer Verbesserung gegenüber der persönlichen Leergutannahme in einem Löschdepot sprechen! Chapeau!
Dann gibt man(n) Hackengas, ist ja schon 14.25 Uhr, um die Einkäufe zu erledigen. Die bessere Hälfte hatte die Liste noch um ein paar Gewürze ergänzt, also hastet man(n) quer durch den ganzen Markt, um dann endlich der Kasse entgegen streben zu können. Auf dem Hauptweg zu den Kassen hat man(n) dann eine junge Familie vor sich, für die der Samstagsseinkauf augenscheinlich Event und Zeitvertreib in einem ist. Mama, Papa, zwei Kinder im Alter von etwa 10 und 14, sowie ein Baby im Einkaufswagen gehen sie nebeneinander her – nein sie schlüren nebeneinander durch den Markt – augenscheinlich ohne zeitliches Limit oder ein bestimmtes Ziel, während sich hinter den ehrenamtlichen Stauführern eine Schlange von genervten, Einkaufswagen schiebenden Mitmenschen bildet. Aber wer sagt denn, dass man nicht glücklich sein kann, nur weil man nix mehr merkt?
Nach der obligatorischen Schlange an der Kasse lädt man(n) die Einkäufe ins Auto und ist sage und schreibe um 15.15Uhr wieder daheim. Ich denke, Männer sind für das Einkaufen schlicht nicht geschaffen. Das die bessere Hälfte einem ein “wo warst’n so lang” entgegen wirft, macht die Laune auch nicht besser. Aber wenigstens war man(n) gerade so pünktlich zum Anpfiff wieder zu Hause.







