DSDS auf den Malediven

Gestern Abend sahen wir aus Mangel an Alternativen “Deutschland sucht den Superstar” – die Vorausscheidung der TOP 36 auf den Malediven. Es war unterhaltsam – aber nicht wegen der Musik und der talentierten Sänger und Sängerinnen. Es hatte eher was von einem autounfall – schrecklich, aber man muss einfach hinsehen.

Was da als “TOP 36” in die Sonne geflogen wurde, wäre bei “the Voice” zum größten Teil nicht mal durch die Vorauswahl VOR der ersten Sendung gekommen. Dazu kommt, dass die Kommentatoren im Hintergrund teilweise echt an Realitätsverlust leiden. Der Typ aus dem OFF redet von “hübschen Frauen”, die dem “Mann” zu schaffen machen, während im Bild ein Jüngelchen mit imaginärem Milchbart ein paar pubertierenden Mädchen etwas vorträllert.

Das Alter der Kandidaten liegt im Normalfall so zwischen 16 und 22, was man auch daran sieht, dass einige der Mädchen offenbar just ihre ersten Schminkversuche unternehmen, obwohl sie bisher nur mit Fingerfarben ihre Pupen bemalt hatten. So sah denn auch eine der Damen aus, als hätte sie sich zwei blau/rote Guppies auf die Augenlieder getackert, während andere sich stilistisch eher Richtung “Strassenstrich” oder “Zirkus” orientiert haben. Aber wichtig ist das alles eh nicht, weil es bisher in meinen Augen nur darauf ankommt, dass die Bikinis knapp genug sind, sonst würde der männliche Zuschauer nämlich ganz fix wegschalten. Die Jungs sind allesamt austauschbar. Meist waschbrettbäuchige Milchbubis, zwangsvercoolt, mit überwiegend dünnen Stimmchen ohne Erinnerungseffekt, die offenbar zudem nicht wissen, wie man sein Hemd zuknöpft.

In der Jury versucht sich das überaus unsympathische  “Dance-Musik-Sternchen” Cascada (alias Natalie Horler) als vermeintliche Sangesexpertin. Okay – vom “nachsingen” bekannter Songs versteht sie ja tatsächlich etwas und wer schon mal “Vorgruppe” von Britney Spears war, der ist ja quasi selbst sowas wie ein Superstar. Mit dem Covern von Songs  kann man sogar Platin gewinnen, wenn man nur genug “beats per minutes” unterlegt. Ob sie die richtige Ratgeberin und Jurorin für junge Gesangstalente ist, das steht in den Sternen. Bruce Darnell ist der zweite im Bunde. Der kann zwar nicht singen – immerhin etwas, was er mit den meisten Kandidaten gemeinsam hat – und hat eigentlich auch sonst kaum Ahnung von Musik, aber er heult so wunderbar, wenn ihm was gefällt. Außerdem ist sein deutsch allein schon eine Show, er hebt die Sendung klamottentchnisch auf höheres Niveau und auf alles andere darauf kommt es bei den Beisitzern sowieso nicht an. Die beiden sind eh nur Beiwerk, um die große Bühne für Dieter Bohlen zu bereiten. Der “Poptitan” ist der Herrscher von DSDS. So tritt er auf und was er will, wird auch so entschieden. Er wird mal wieder die TOP 10 auswählen, er wird den neuen Superstar nicht nur formen, sondern auch durch seine Bewertungen und durch gesteuerte Medienpräsenz in den Mottoshows durchboxen. Danach wird er am ersten Song richtig Geld verdienen und den Superstar danach einfach fallen lassen. So wie jedes Jahr eben!

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