Ende einer Tradition
Am Ende war es nur noch Elend. Der 569. Brackweder Schweinemarkt wird der letzte seiner Art gewesen sein. Die Politiker in Brackwede schwadronieren über veränderte Zeiten und die aussterbende Vergnügungsform der Kirmes. Folgen kann ich dem nicht so recht. Der Dom in Hamburg funktioniert, der Freimarkt in Bremen auch und auf der Bielefelder Kirmes an der Radrennbahn ist eigentlich auch immer die Hölle los. Warum also geht es in Brackwede nicht?
Als ich meine bessere Hälfte kennen lernte, da gingen wir am Montag zur Ferkelverlosung. Das war uns einen Tag Urlaub wert und wir verbrachten den ganzen Tag mit Freunden oder Familie auf dem Schweinemarkt. Bratwurst, Bier, Ochsenbrühe, gute Laune und am Ende alkoholgeschwängerter Tiefschlaf waren das Programm des Tages. Sicherlich, auch da war es schon nicht mehr so, dass die Brackweder Schulen die letzten Stunden ausfallen liessen und die Brackweder Firmen einen Schweinmarkttag einlegten. Die Zeiten ändern sich und mit Traditionen hat man es dann nicht immer so. Aber das Fest war gut besucht.
Im laufe der Jahre wurde es dann mit den Besuchern immer weniger. Steigende Preise sorgten für ausbleibende Besucher. Mit den ausbleibenden Besuchern folgten ausbleibende Schausteller und am Ende musste der Schweinemarkt, der sonst das ganze Gleisdreieck einnahm, auf weniger als die Hälfte der Fläche zusammen schrumpfen. Wahr haben wollte den Niedergang aber niemand. Nicht die Politik und auch nicht die Presse, die sich vor und vor allem nach dem Schweinemarktwochenende mit Superlativen übertraf, während sich der mitlesende Live-Besucher fragte, wo zur Hölle dieses Event denn statt gefunden hatte, über welches dort so wundderbar berichtet wurde. Der traurige Höhepunkt war der Versuch im letzten Jahr, mit einem Oktoberfest Ende August die Besucher ins Festzelt zu locken. Das war der größte Schuss in den Ofen, den wir dort erleben durften.
Nun soll der Schweinemarkt ins Herz von Brackwede wandern und ein neues Konzept bekommen. Hauptsache ist, es bemekrt endlich mal jemand, dass den Menschen das Geld einfach nicht mehr so locker sitzt. Das hat gar nicht so viel mit dem Aussterben der Unterhaltungsform Kirmes zu tun. Es ist ähnlich, wie bei den Brackweder Glückstalertagen: Man ist einfach nicht mehr bereit, auf einer Kirmes eine Menge Geld in schlecht gezapftes Bier und mehrfach aufgewärmte Hot Dog-Würstchen zu investieren. Daran muss man zuerst arbeiten, sonst nutzt das schönste Konzept nämlich gar nix!














