Kneipenbesuch
Das Engelchen leidet unter “Jetlag”. Seit der Umstellung der Uhr am Sonntag ist sie irgendwie immer müde, nur nicht dann, wenn sie müde sein soll. Zudem ist sie morgens nun viel zu früh wach. Heute Morgen war es 5.10 Uhr! Blöder Mist, blöder! Jetzt dauert das wieder 14 Tage, bis sie morgens wieder bis sieben Uhr schläft.
Aber wir tun alles, um sie müde zu bekommen. Morgens war die bessere Hälfte erst mit ihr zum Baby-Schwimmen. Am späten Nachmittag waren wir dann auf der Kirmes an der Radrennbahn, um die Synapsen des Kindes mit bunten Bildern zu fluten. Ist immer wieder ein Erlebnis, wenn die kleine Maus staunend in ihrem Buggy über die Kirmes kutschiert wird. Geld wollten wir gar nicht groß ausgeben. Aber da hatten wir die Rechnung ohne den Hundeblick eines jammernden, wild mit den Fingern deutenden Kindes gemacht. Bewaffnet mit Winni-Puuh-Luftballon ( 4,-€ ) und Ritsch-Ratsch-Rad ( 3,50€ ) haben wir die Heimreise angetreten.
Gegessen hatten wir noch nichts (oder besser gesagt “fast nichts” – ich hatte den hohlen Zahn mit einer Bratwurst gefüllt). Also hat die bessere Hälfte vorgeschlagen, dass wir den Pub “The Dale“, zwei Querstrassen von uns entfernt, auf dem Rückweg aufsuchen, um mal zu testen, ob die Schnitzel da wirklich so gut sind wie Oma und Opa immer behaupten. Um es vorweg zu nehmen: Sie sind super! Gesagt, getan. Der erste Kneipenbesuch des Engelchens mit gerade mal 16 Monaten. Na denn man tau!
Im Pub angekommen wurden wir erst mal entgeistert angeguckt – so viele kleine Kinder kommen da anscheinend um 17.30 Uhr nicht mehr rein – und die Frage nach einem Kinderstuhl musste der Wirt verneinen. Umso besser war sein Gesichtsausdruck, als ich kurzer Hand unseren IKEA-Kinderstuhl aus dem Kofferraum geholt, vor seinen Augen montiert und das Engelchen darin an den Tisch geschoben habe
. Den Stuhl kutschieren wir nämlich meist mit uns herum, weil er sich schön zerlegen lässt und bei Bedarf schnell wieder montiert ist. Ideal für spontane Besuche bei Freunden und Verwandten. Danach hat das Engelchen Platz genommen und erst mal wie ein Profi die Karte studiert.

Die Fanta hat sie mit Strohhalm locker und ohne größere Kleckerorgien weggezuzzelt. Papa hat derweil sein leckeres Killkenny geschlürft, Mama ihre Spezi. Dann kam das Essen. Wiener Schnitzel mit Pommes für Papa, Schnitzel mit Pilzen und Bratkartoffeln für Mama. Im Fazit also Schnitzel mit Kartoffeln, Pommes und Salat für das Engelchen. Pilze mach se nich! Wir haben dann vom verdutzten Wirt eine weitere Gabel geordert. Er hatte wohl eher ein mit den Fingern manschendes Kind erwartet.

Ich bin immer wieder stolz, wenn ich sehe, wie gut die kleine Maus mit ihren nicht mal 17 Monaten schon mit der Gabel ( oder auch einem Löffel ) vom Teller isst. Aber wer schon ( fast ) unfallfrei Joghurt und Morgenbrei löffelt, für den ist Fleisch auf die Gabel pieken ‘ne Kleinigkeit. Danach hat sie ihre Fanta leer, aber gleichzeitig die Windel voll gemacht. Da wir aufgrund des fehlenden Kinderstuhls eh keinen Wickeltisch erwartet hatten, haben wir gar nicht erst gefragt, sondern sofort bezahlt – bevor der Geruch zur Theke ziehen konnte. Bis nach Hause war es ja nicht weit. Aber erst mal ist das Engelchen mit seinem Universalgruß “diddelaaar” – wie die Queen winkend – an der Theke vorbei marschiert. Spätestens da war sie der Star des Abends. Dass sie nicht noch alle Gäste abgeklatscht hat, war echt alles
!
Nun sind wir wieder daheim, das Engelchen wird gerade von Mama ins Bett gebracht und Papa betrachtet grinsend die Photos des heutigen Tages. Gibt es ein besseres Mittel gegen den aktuellen Stress in der Firma?







