Archiv für Juli, 2009

Revival-Tour nach Hamburg

Vor vielen Jahren haben meine Freunde und ich mal eine Männer-Tour nach Hamburg gemacht. Im Sommer, bei bestem wetter, hatten wir so viel Spaß, dass wir noch Jahre danach davon gesprochen haben. Grund genug, nun – im gesetzteren Alter – eine Hamburg – “Revival-Tour” auf die Beine zu stellen.

Die Grundnahrungsmittel einer solchen Männertour sind auf dem obrigen Bild komplett enthalten. Die Fortbewegung bei einer solchen Tour muss natürlich losgelöst vom Auto sein und deshalb haben wir uns komplett mit U-Bahn und Bussen durch die Stadt bewwegt,

was in Hamburg allerdings wesentlich besser geht als in Bielefeld. Alle drei Minuten eine U-Bahn, quasi rund um die Uhr. Davon können wir hier allenfalls träumen, vor allem in den äußeren Bezirken. Dazu lag unser Hotel auch noch direkt gegenüber des DOM, mit Blickweite zum Millerntorstadion von Sankt Pauli. Es ging also vieles auch zu Fuß.

Den DOM haben wir nach der Miniatur-Wunderwelt besucht. Leider darf ich die Bilder der Modelleisenbahn wegen des Copyright nicht im Blog veröffentlichen. Diese Miniaturwelt ist eigentlich schon allein einen Weblogeintrag wert. Wir sind dort zweieinhalb Stunden lang herumgelaufen und für mich war die Eisenbahn letzten Endes Nebensache! Dort wurde mit so viel Liebe zum Detail eine Landschaft nachgebaut, dass man nach zwei Stunden aufgrund von Reizüberflutung nichts mehr mit bekommt. Die lila Kuh in der Schweiz, die Villa Kunterbunt in Skandinavien, der Bauer mit der Bäuerin im Heu, eine Radarstation, die Fahrzeuge blitzt, und, und, und. Sensationell!

Danach haben wir den Abend auf dem DOM und in einer kleinen Hamburger Eckkneipe ausklingen lassen. Letztere richtig urig, so mit Musikbox, Holzambiente und Wirtin samt Hamburger Schnauze.

Danach haben wir unsere Suite – ja richtig, es gab nur solche in dem Hotel (und in unserem Alter muss man etwas Komfort haben) – aufgesucht. Am nächsten Morgen, nach dem wirklich üppigen Frühstück, ist es dann mit einer Städtetour weiter gegangen. Zunächst sind wir an den Landungsbrücken auf Mitbringseljagt für die daheim gebliebenen Engelchen gegangen. Danach hatten wir eigentlich den Besuch des Dungeon geplant.

Der Dungeon war leider zu voll – eine Stunde Wartezeit hätte den Tagesplan dann doch zu sehr belastet. Aber in der Innenstadt war Triathlon und wir wollten um 15.00 Uhr den Massenstart der Profis an der Alster ansehen. Gesehen haben wir dann allerdings für rund zwei Stunden ein Brauhaus von innen, weil es in Strömen gegossen hat! Gesehen haben wir nur noch ein paar Nachzügler. Dafür gab es bayrisches Bier und Schmalzbrot im hohen Norden. Auch schön!

Nach kurzer Stippvisite im Hotel haben wir dann am Abend standesgemäß die Gaststätten am Kiez unsicher gemacht. Wobei ich sagen muss, dass der Kiez seinen Reiz in dem Moment verliert, wo ein Sex-Shop nicht mehr den Hauch des Verbotenen und eine Sex-Show nicht mehr den Touch des Verruchten hat. Mal abgesehen davon, dass es bei verheirateten, jungen Vätern auch nicht mehr so das Interesse weckt.

Hinzu kommt, dass diese Geschäfte immer mehr verschwinden und durch normale Gastronomie ersetzt werden. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn die etwas gealterte Männerrunde am Ende der großen Freiheit nicht rechts in selbige einkehrt, sondern links das versteckte Rock Cafe aufsucht.

Dennoch mussten wir uns natürlich das durch die Reportagen berühmte Reisebüro, die Tankstelle und natürlich Olivia Jones auf ihrer Kiezführung ansehen.

Ich will nicht verschweigen, dass wir nach einem Astra im Silbersack den Weg durch die Herbertstrasse ebenfalls gemacht haben. Hinterher haben wir es uns in einem Biergarten gemütlich gemacht und den leichten Mädels bei ihrer Anmachtour zugesehen. Da konnte man sehen, dass die Wirtschaftskrise auch vor dem Gewerbe nicht halt macht. Selbst bei dem lauen Lüftchen war kein Geschäft zu machen.

Von Freitag bis Sonntag waren wir unterwegs. Vielleicht werden wir das ganze dann angegraut in 10 Jahren noch mal wiederholen. Spaß gemacht hat es jedenfalls!

Kommentar (1) »

Seit wir ein Kind haben…

Nettes Spielchen für alle jungen Eltern, deren Kinder just dem Säuglingsalter entwachsen sind. Allen die mitmachen oder ergänzen wollen, steht die Kommentarfunktion offen:

Seit wir ein Kind haben…

…trinke ich nur noch selten warmen Kaffee

…muss ich meine Zeitung konsequent gegen Risse, Sabber und Diebstahl verteidigen

…weiß ich, dass in der Ruhe die Kraft liegt – nur habe ich fast nie Ruhe!

…gehört mein Bett nicht mehr mir allein.

…isst ständig jemand anderes mein Brötchen, mein Eis, mein Hähnchenschnitzel, meine Pommes, usw.

…kenne ich die Frühstücksbuffets jeder Bielefelder Gaststätte, während das Nachtleben der selbigen ohne mich statt findet.

…finde ich überall Schnuller – im Bett, auf dem Klo, in der Küche, in der Badewanne, auf dem Boden, usw..

…befinden sich in meiner Arbeitstasche etwa 100 lose Bonbons.

…sieht die Wohnung tagsüber immer aus, als wäre gerade eine Bombe explodiert.

…gehe ich mit dem Kinderwagen, anstelle des Einkaufswagens einkaufen – und bin stolz darauf!

…hasse ich Menschen, die unberechtigt auf dem Eltern/Kind-Parkplatz parken, weil sie zu faul zum laufen sind.

…kenne ich etliche Bibbi Blockberg- CD`s, aber immer nur bis Kapitel 4 oder 5 ( weil sie dann eingeschlafen ist und ich den Raum verlasse ).

…bin ich ständig besorgt, gespannt, angespannt, ärgerlich, erfereut oder stolz, weil jeden Tag etwas Unerwartetes passiert.

Seit wir ein Kind haben könnte ich stundenlang weiter schreiben, würde nie fertig und bin doch immer wieder froh, dass sie da ist und verzeihe ihr alle ihre Dummheiten und ihr Gebrüll sofort, wenn sie sich ankuschelt, lächelt, begeistert vor dem Degu-Käfig sitzt oder mir ihren Teddy zum schmusen gibt !

Kommentar (2) »

Auf Tour

Wenn junge Eltern das erste Mal wieder allein auf Tour gehen, dann haben sie so manches nach zu holen. Beispielsweise war ich seit mehr als einem Jahr zum ersten Mal wieder im Kino. Meine bessere Hälfte und ich hatten uns einen Abend ohne Engelchen verordnet, mit Schwägerin als Babysitter, und sind bereits um 17.00 Uhr los gedackelt, um zunächst mal kindmäßig abzuschalten und wenig dialoglastig, aber dafür bildgewaltig unterhalten zu werden.

Bei dem Film wurde die Erwartung naturgemäß voll erfüllt. Viel Tempo, coole Darsteller ohne Chancen auf einen Oscar, schnelle Schnitte, wenig Logik, viel Action und am Ende massenhaft verbogenes Blech. Wer denkt da noch ans Kind, welches zum ersten Mal allein mit der Schwägerin daheim ist? – (vor allem, wenn es zwischendurch heimlichen SMS-Kontakt gibt)

Schade nur, im kaum gefüllten Kino etwa 10 minderjährige Plagegeister den ganzen Film über labernd und durch die Gegend wandernd das Kinoerlebnis gestört haben. Sch*** Pubertät!

Aber als wir aus dem Kino kamen, waren wir entspannt und abgelenkt genug, um uns ohne größere Sorgen um Kind und Schwägerin gemütlich im New Orleans ein Bierchen zu trinken und etwas zu essen.

Unsere ehemalige Stammkneipe ist etwas umgebaut und neu bestuhlt worden, was natürlich an uns vorbei gegangen ist, weil wir seit der Geburt eher die Frühstücksbuffets der Bielefelder Kneipenszene, aber nicht mehr unbedingt das abendliche Unterhaltungsangebot kennen. An mir vorbei gegangen ist auch die offensichtliche Auferstehung der Leggins, die in allerlei Kombinationen an der weiblichen Abendgaderobe zu bewundern waren. Die Dinger fand ich schon in den 80ern grausig!

Aber gemütlich war es wie eh und je. Unterhalten wurden wir auch gut, weil die Kellnerin (Gott sei Dank am Nachbartisch) ein paar Cocktails über die Gäste des Abends verschüttete und uns ( während wir bereits aßen ) erwartungsfroh mit zwei weiteren Burgern beglücken wollte. Das mit den Tischnummern hatte sie wohl noch nicht so drauf – aber zwei Hauptgerichte essen wir in der Regel dann doch nicht!

Bedenklich ist allerdings, dass wir, weil wir mittlerweile einen anderen Tagesablauf gewohnt sind, gegen 22.00 Uhr leichte Müdigkeitserscheinungen aufwiesen und gegen 22.30 Uhr dann doch gen Heimat aufbrachen. Lange Abende, wie früher in der Disco, werden wir uns wohl mühsam wieder antrainieren müssen.

Das Wichtigste aber war: Engelchen und Schwägerin haben den Abend gut gemeistert und seelig geschlummert als wir zurück waren. Ich glaube, wir werden die sich neu bietende Freiheit nun ab und an geniessen!

keine Kommentare »