Februar 21, 2009
· abgelegt unter politisch
Ach Gott, der Bub!
Da hat der gute Phillip Mißfelder aber mal wieder so richtig sein Weltbild durchblicken lassen. Nach der Feststellung, dass die Kosten von Hüftoperationen bei den alten Säcken, neudeutsch auch Rentner genannt, den deutschen Krankenkassen eigentlich nicht zumutbar und gesellschaftlich nicht rentabel sind, lässt er das Volk nun erneut an seiner sehr beschränkten Sicht der Dinge teilhaben.
Dieses Mal sind es also die Hartz-IV-Empfänger, die in seinen Fokus geraten. Während er zuvor den Wert von Mobilität für alte Menschen geringschätzt und die Kosten für vielleicht weitere 3-7 Jahre beschwerdefreies Restleben eines 85jährigen gegen die Kosten für die Gemeinschaft aufrechnet, teilt er uns nun durch die Blume mit, dass er alle Arbeitssuchenden für kettenrauchende Alkoholiker hält.
In seiner mit Voruteilen behafteten, behüteten, aber von der Realität offenbar weit entfernten Welt, sieht der studierte Historiker also alle in Not geratenen Menschen in Kürze zu Alkohol konsumierenden Degenerierten abrutschen. Degenerierte, die eine Erhöhung ihres scheinbar ohnehin zu üppigen Satzes von 351,- € im Monat und das Geld für ihre Kinder sowieso nur für den Konsum irgendwelcher Rauschmittel umsetzen. Eine pauschale Verurteilung und Sündenbockmentalität, die ihm in der Zeit vor 1945 den Weg an die Parteispitze relativ schnell ermöglicht hätte – wenn auch nicht in der CDU!
Mißfelder ist ein junger Schnösel, der das Arbeitsleben nur aus Erzählungen und vielleicht ein paar Betriebsbesichtigungen kennt. Was richtige Arbeit ist, kann er nicht beurteilen und wie schnell man arbeitslos werden und abrutschen kann, das weiß er auf keinen Fall. Dazu ist sein Elfenbeinturm viel zu weit weg vom Leben der Normalos. Das kann man in seinem Lebenslauf sehr eindrucksvoll nachlesen.
Bedenklich stimmt mich allerdings, dass er als eines der großen Talente der CDU gilt und scheinbar auch von seinen Parteigenossen als Potenzial für höhere Aufgaben betrachtet wird. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Ansammlung heißer Luft tatsächlich einmal die Möglichkeit bekommen sollte, über das Schicksal von Menschen (mit)zu bestimmen, dann wird mir ganz anders. Daran ändert auch sein halbherziges Zurückrudern nichts. Denn WENN er wirklich so ein riesiges politisches Talent ist, dann weiß er genau, was er mit diesen Stammtischparolen anrichtet und zielt auf eine bestimmte Wirkung ab. Weiß er es nicht, ist er auch kein politisches Talent, sondern schlichtweg dümmer als er denkt. Unabhängig davon sollte jemand der eine reine Politkarriere hingelegt hat und keine Ahnung davon hat, wie das Leben der Mittelschicht (oder gar der Unterschicht) wirklich aussieht und obendrein so eine krasse Einstellung vorweist, in Deutschland keine Plattform, geschweige denn ein politisches Amt bekommen. Denn was wir derzeit brauchen (und leider nur bedingt haben) sind fachkompetente Typen, die Probleme erkennen und anpacken, aber ganz sicher keine vermeintlich überlegenen Yuppies, die sich auf Kosten anderer profilieren wollen.
Februar 20, 2009
· abgelegt unter schwarzweißblaue Gedanken
In der heutigen Ausgabe der NW beschäftigt man sich mit dem Phänomen, dass auf der Alm die neue Haupttribüne nicht nur nie ausverkauft, sondern sogar beinahe leer ist. Da ich als dauerkartenloser Stammgast auf der Alm selbst schon zähneknirschend die Preise für die neue Tribüne bezahlt habe, aber sie normalerweise meide wie der Teufel das Weihwassser, habe ich folgenden Leserbrief verfasst:
Auch das Spiel gegen Bochum ist wieder mal nicht ausverkauft. Arminia hat das Stadion ausgebaut, es entstand eine moderne neue Sitzplatztribüne, die zwar wohl wirtschaftlich notwendig ist, aber von den Zuschauern nicht angenommen wird. Wahrscheinlich würde man dies im Arminenvorstand nach alter Gewohnheit aussitzen, wäre da nicht das Problem, dass die leeren Ränge jedes Wochenende im Fernsehen zu sehen sind und für bundesweites Gelächter sorgen.
Die Gründe für das geringe Interesse der Zuschauer sind in meinen Augen vielschichtig. Man hat es nicht verstanden – und wahrscheinlich auch gar nicht in Erwägung gezogen – die Dauerkartenbesitzer der alten Tribüne durch preislich attraktive Lockangebote auf die neue Tribüne hinüber zu ziehen. Dazu hat man immer wieder von der “gewissen Eingewöhnungszeit” gelesen, die der Ostwestfale vermeintlich benötigt, um die neue Tribüne anzunehmen. Preislich jedoch bewege man sich im Mittelfeld der Liga und somit könne das keinesfalls ein Problem darstellen oder die Leere erklären.
Diese Feststellung von Herrn Kentsch relativiert sich allerdings schnell, wenn man als Besucher auf dem Weg zur Alm, geschehen vor dem Spiel gegen Hertha BSC, mehrfach von anderen Fans nach (Sitzplatz)Karten gefragt wird, obwohl noch rund 7000 Plätze frei sind. Ein möglicher Schwarzmarkt vor einem nicht ausverkauften Stadion ist wohl einmalig in der Liga. Das zeigt für mich aber vor allem sehr deutlich, dass der Bielefelder Gelegenheitszuschauer eben nicht bereit ist, Preise aus dem Mittelfeld für eine Mannschaft zu zahlen, die per Definition des Vorstandes jedes Jahr nur das Ziel hat, möglichst nicht einen der drei unteren Ränge zu belegen. Denn nicht um den vorhandenen Stamm von rund 18000 Fans, sondern um diese Gelegenheitsbesucher geht es, wenn man das Stadion auslasten möchte. Allerdings zieht man solche Zuschauer eher mit attraktivem Fußball und guten, spektakulären Neuzugängen an. Nicht etwa mit eigentlich zu eng bemessenen Plätzen, auf denen man sich vor allem im Winter mit dicker Jacke eher wie eine Presswurst fühlt und die gegenüber der vergleichbaren Sicht auf der alten Tribüne auch noch 6,- € mehr kosten.
Reagiert man seitens des Managements nicht auf diese Schieflage, wird man allenfalls gegen Bayern oder vielleicht Schalke das Stadion voll bekommen. Mit der bisherigen Konzeption geht die Tribüne allerdings vollkommen am Zuschauer und somit am vorhandenen Markt in Bielefeld vorbei.
Februar 15, 2009
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Szenen einer Ehe: Er sitzt am Schreibtisch und surft im Internet, Sie sitzt im Sessel vor dem Fernseher. Auf dem Tisch steht eine Flasche Cola Zero. Beide haben etwa einen Meter Abstand zum Tisch. Das Babyphon schlägt an. Er geht ins Kinderzimmer und gibt dem Kind den Schnuller wieder. Dann kommt er ins Wohnzimmer zurück.
Sie:“Wo Du schon mal stehst, gib mir mal bitte die Cola vom Tisch.”
Er (gibt ihr die Flasche):”Weißt Du Schatz, es ist schon erstaunlich, wie Du es seit 9 Jahren immer wieder schaffst, meine Wege mit zusätzlichen Aufgaben zu Deinen Gunsten zu belegen.”
Sie (lacht):”Mag schon sein. Ich hab halt Durst.”
Er:“Klar! Wahrscheinlich hast Du schon eine Zunge wie ein Leguan, weil Du seit ner halben Stunde Durst hast, aber nicht aufstehen wolltest.”
Sie (grinst):”Stimmt. Ich habe schon gedacht, Du willst da ewig sitzen bleiben.”
…manchmal fühlt er sich so furchtbar müde!!!
Februar 10, 2009
· abgelegt unter Kolumne
Als ich Mitte 20 war, da habe ich den Abend meist mit ein paar Partien Billiard begonnen, die Nacht in ein, zwei Kneipen fortgesetzt und die Disko am Morgen mit den letzten Leuten verlassen. Danach bin ich meistens mit der Strassenbahn bis zum Brackweder Bahnhof gefahren und vor dort aus die letzten 20 – 50 Minuten (je nach Zustand) nach Hause gelaufen. Dabei habe ich mir weder Sorgen um Diebstähle, noch um meine körperliche Unversehrtheit gemacht. Ich musste mir auch keine machen. Okay – allenfalls dann, wenn ich während des Fußmarsches bei eisiger Kälte aufgrund akuter alkoholbedingter Bocklosigkeit kurzzeitig über eine Übernachtung hinter der nächsten Hecke nachgedacht habe (was selbstredend nie passiert ist). Einzig im “Mikado”(heute Prime), der damals ersten und einzigen Großdisko im Raum Bielefeld, haben die Türsteher alle vier bis fünf Wochen mal mit einem armen, großmäuligen Würstchen die Außentreppe aufgewischt. Offenbar waren das andere Zeiten.
Wenn ich heute Montag oder Dienstag die Zeitung aufschlage, dann überbieten sich die Diskotheken gegenseitig mit der Anzahl derjenigen, die man wahlweise prügelnd oder verprügelt aus dem Laden geworfen hat. Dabei geht es meist sogar darum, dass sich drei bis vier Typen einen Einzelnen rauspicken und den dann gesichts- und körpermäßig “neu gestalten”. Ein Arbeitskollege von mir ist erst vor kurzem am Jahnplatz derart unter die Räder gekommen. Die waren zu sechst, sie zu zweit. Es gab keinen Grund, die wollten Streit, sie wollten einfach nur nach Hause. Sie sind weggelaufen, die hinterher. Er war leider langsamer als sein Kumpel, deshalb haben die ihn gründlich vermackelt. Zu meiner Zeit hatte man Schonfrist, wenn das Knie den Boden berührte, heute ist scheinbar selbst dann noch Jagdsaison wenn der Kopf schon auf dem Bordstein liegt. Das Fazit war ein stationärer Krankenhausaufenthalt mit ein, zwei unschönen und bleibenden Narben im Gesicht. Glimpflich, sieht man mal vom angekratzen Stolz ab. Die Polizei sucht noch heute ohne Erfolg nach den Tätern.
Besonders schlimm finde ich, dass sich dies offenbar nicht mehr auf einzelne “verrufene Etablissements” beschränkt (im Cafe Europa gab’s schon früher oft aufs Maul), sondern sich quer durch alle Diskos zieht. Da fragt man sich schon:
Was ist eigentlich in meiner Stadt los? Oder besser: Was ist mit den Menschen los, die heute am Wochenende unter “Spaß haben” augenscheinlich etwas ganz anderes verstehen als ich früher?
Februar 8, 2009
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“Nu mach doch endlich das Ding auf! Ich habe Kohldampf!”
Februar 5, 2009
· abgelegt unter Aus dem Nähkästchen
Es ist in Zeiten von Kurzarbeit und wenig Arbeit wichtig zu wissen, wie Kurzarbeit und deren Entlohnung denn eigentlich im Detail funktioniert. Deshalb war ich heute auf einem Tagesseminar, bei dem ein netter Herr von der Agentur für Arbeit mir und 44 weiteren Teilnehmern sozusagen “im kleinen Kreis” viele Rahmenbedingungen erklärt hat. Das ganze mit unglaublich motiviertem Gesichtsausdruck und ohne Wechsel in der Tonlage oder beim Sprachtempo. Zusätzlich hat er sämtliche Infos recht lustlos und unleserlich auf ein Flipchart gekritzelt.
Fragen waren eh nicht sonderlich willkommen. Aber wenn man dann auch noch Fragen gestellt hat, die das kleine Feld der Rahmenbedingungen für Kurzarbeit, welches er in der Agentur für Arbeit per Order zu bestellen hat, verlassen haben, dann war schon Feierabend mit dem Fachwissen. Auf die nicht ganz unwichtige Frage, ob beispielsweise der spätere Bezug Elterngeld oder Krankengeld auf der Basis des vollen Lohnes oder auf dem gekürzten Kurzarbeitergeld berechnet wird, bekam man den Hinweis, dass sei Sache der Krankenkasse oder Elterngeldbehörde. Davon habe er keine Ahnung und müsste die auch nicht haben. Ah ja! Manches muss man wohl nicht wissen, auch wenn man die Firmen als Berater besucht und Seminare abhält. Also zumindest, wenn man als Beamter seinen Aufgabenbereich doch sehr stark definiert und eingrenzt. Freie Referenten können sich sowas eher weniger erlauben.
Witzig auch, wie er die Höhe des Kurzarbeitergeldes erklärt hat: Man bekommt 60% (ohne Kinder) oder 67% (mit Kindern) vom Netto für jeden Tag, den man in Kurzarbeit ist erstattet, kann das aber nicht selbst nachrechnen, weil es anhand von Tabellenwerten im Bundesdurchschnitt ermittelt wird. Deshalb können das rechnerisch auch mal statt 67% nur 62% sein oder auch mal 69%. Warum das so ist? Weil es eben so ist! Steht halt in der Tabelle. Wer die berechnet? Keine Ahnung! Ach so, na dann ist’s ja gut. Geht ja auch nur um die Kohle der Kollegen! Vielleicht kann ich ja demnächt beim Bäcker einfach mal 20 Cent weniger bezahlen und sagen, das wäre halt der Bundesdurchschnittsbrotpreis und der könnte eben schon mal nach oben oder unten abweichen.
Kurz – man hat gemerkt, man hat es mit einem Beamten einer Behörde zu tun! Das klassische Beispiel eines Bürokraten mit Scheuklappen, dessen Tätigkeit obendrein wohl recht eintönig ist. Trotzdem war der Tag informativ, weil man als Betriebsrat jetzt wieder etwas schlauer ist als die Werkleitung. Das kann ja manchmal auch von Vorteil sein.
Februar 4, 2009
· abgelegt unter Kolumne
“Einen Vorteil hat dein Gesangsstil: Wenn du in der Kneipe auftrittst, und die Leute müssen kotzen, die kotzen noch nicht mal in deine Richtung.“
“Du musst vor allem auch zu Haus mal in den Spiegel gucken. Das sieht ja aus, als wäre in deinem Gesicht irgend ein Tier verendet.”
“Wenn Du aufs Meer raus schwimmst, kannst Du wenigstens als Heulboje arbeiten.”
“Ich hoffe ja wirklich, wenn Du morgens onanierst, dass da mehr raus kommt.”
(Dieter Bohlen bei DSDS)
Ich glaube ja, der hat Leute, die ihm diese Sprüche auf Spickzetteln zustecken…
Februar 1, 2009
· abgelegt unter schwarzweißblaue Gedanken
Menno! Da gewinnen die Blauen seit August 2007 endlich mal wieder ein Auswärtsspiel, das auch noch unter anderem durch ein Tor vom seit drei Jahren feldtorlosen Marx, dazu in Bremen, wo sie seit 27 Jahren gerade mal ein Unentschieden entführen konnten und ich darf zur Feier des Tages nicht mal ein Bierchen aufmachen. Da ich die letzten Tage mal wieder röchelnd auf dem Sofa verbracht habe und ein Antibiotikum bekomme, welches gegen zahlreiche Leiden, von der Nasennebenhöhlenentzündung über Syphilis bis zur Darmreizung (und wahrscheinlich auch gegen Hautunreinheiten und Fuzpilz) hilft, riskiere ich es lieber nicht. Nachher sehe ich durch die Zugabe von Alkohol auch noch bunte Farben oder halte mich für talentiert und fahre zum letzten Casting von DSDS. Zumal mir das Antibiotikum eh auf den Magen schlägt und ich Morgen wieder arbeiten will. Dann hoffe ich mal, dass Arminia mit dem nächsten Auswärtssieg nicht wieder anderthalb Jahre wartet, vielleicht bekomme ich dann dieses Jahr noch ein “Auswärtssiegbelohnungsbierchen“.
Freu ich mich halt heute mit balkonkühlem alkoholfreiem Becks *rülps*