DVD-Tip
Wenn Frau die typischen Sendugen schaut, also “Bauer sucht Frau” “Gülle und Collien” “Sarah und Marc” oder ähnlichen Blödsinn, wirft Mann sich schon mal einen Film ein, den er normal nicht unbedingt sehen müsste. Ich hatte mich für den Rocky Balboa entschieden, die 6. Fortsetzung der Saga um den mittlerweile recht ergrauten italienischen Hengst. Ohne große Erwartungen habe ich mich vor die Glotze gesetzt, immer noch Teil 5 in Erinnerung, der so unterirdisch schlecht war, dass es einer Sau grauste. Aber ich musste mich erfeulicher Weise deutlich getäuscht sehen.

Rocky ist in die Jahre gekommen. Seine Frau ist an Krebs gestorben, sein Sohn ist ein erfolgreicher Banker, der unter dem scheinbar unvergänglichen Ruhm seines Vaters leidet und ihn deshalb meidet. Rocky betreibt ein kleines Restaurant, in dem er italienisches Essen serviert und die Gäste mit seinen alten Boxgeschichten unterhält. Lediglich der alte, ewig meckerndePaulie ist ihm als Freund erhalten geblieben.
Während dessen ist das Boxgeschäft eintönig geworden, weil der amtierende Weltmeister Mason Dixon unschlagbar scheint und durch seine absolute Dominanz immer mehr den Rückhalt des Publikums verliert. Als ein Sportkanal in einem computersimulierten Kampf den alten Weltmeister Rocky gegen Dixon antreten und Dixon durch K.O. verlieren lässt, verselbstständigt sich die Situation und die Boxexperten aller Welt diskutieren über die Stärken und Schwächen der beiden Boxer. Dixons Manager sehen hier die Möglichkeit, ihren Mann noch mal richtig zu vermarkten und überreden den alternden Rocky zu einem Showkampf in Las Vegas.
In der Vorbereitung auf den Kampf regiert der Realismus. Die sonst legendären Trainingsbilder werden kurz gehalten. Bezeichnend ist der Spruch seines Trainers: “Normales Training kommt nicht uin Frage. Die Reflexe sind nicht mehr schnell genug, die Gelenke zu sehr angegriffen. Wenn Du eine Chance haben willst, musst Du ihm weh tun!” So wird denn auch vornehmlich Schlagkraft trainiert und Rocky steigt gegen den überheblichen Dixon zum letzten großen Kampf in den Ring…
Ohne es vorweg zu nehmen, das Ende zeigt in der Dramaturgie nun auch das endgültige Ende der Rocky-Geschichte an und ist wohltuend “realistisch” gehalten. So wie der ganze Film. Das Umfeld passt, die Schauspieler sind solide, Stallone verkörpert genau den leicht verschwabbelten, alternden Boxer, der für die Story benötigt wird. Teil 6 der Rocky-Saga kehrt noch einmal zurück zu den kultigen Szenerien des ersten und zweiten Teils. Die Boxszenen sind spektakulär wie eh und je, die Dialoge zwischen Rocky und Paulie, sowie die angedeutete Romanze zur Kellnerin Marie passen genau in die Szenerie der leicht schmuddeligen Viertel von Philadelphia. Rocky Balboa ist meiner Ansicht nach besser als die Teile 3 bis 5. Ein Überraschungstip für verregnete Tage.
Wer hätte das gedacht?








