Mai 22, 2008
· abgelegt unter Aus dem Nähkästchen
Heute wurde ich an eine Geschichte aus meiner Jugend erinnert, an die ich sehr lange nicht mehr gedacht habe.
In meiner Schulzeit hatte ich einen Freund, den ich schon seit ewigen Zeiten kannte. Seit dem Kindergarten waren wir befreundet. Die Freundschaft festigte sich über die Schulzeit und wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Während ich nach der Realschule in die Lehre ging, zog es ihn auf das Gymnasium um Abitur zu machen. Dennoch trafen wir uns in der Woche oder an den Wochenenden regelmäßig auf ein Bier oder ein Glas Wein, fuhren an den Wochenenden schon mal nach Berlin oder besuchten meine urlaubenden Eltern in Büsum oder auf Borkum. Gemeinsam mit einem anderen Freund sind wir jedes Wochenende in der “Quetsche” gewesen – der einzigen, mit dem Fahrrad erreichbaren Jugendkneipe in der Gegend.
Leider hatte mein Freund irgendwann beschlossen, dass der Eintritt in die jungen Liberalen und damit verbunden die Übernahme eines Amtes im Vorstand eine gute Idee wäre. Nun ist politisches Interesse in jungen Jahren alles ander als ein Nachteil, aber wenn man 16 ist, dann nimmt man doch sehr viel unreflektiert auf und und betrachtet die Aussagen der Parteigenossen als bare Münze. Zunächst waren die Folgen für unsere Freundschaft nicht zu sehen. Wir haben oftmals nach den Discobesuchen noch lange vor der Haustür geschwatzt, zunächst auf dem Fahrrad, später im Auto sitzend und haben natürlich auch über Politik diskutiert. Auf die einem Teenager eigene, naive Weise. Aber je älter wir wurden, desdo mehr veränderte sich der Charakter meines Freundes.
Er wurde im Laufe der Zeit immer unerträglicher, weil er keinen Spaß mehr hatte. Es gab keine anderen Themen mehr. Aktuelle Bundespolitik von morgens bis abends. Das schlimmste war, all unsere anderen Freunde zogen sich nach und nach zurück, weil man bei den Redeschwällen einfach nicht mehr dazwischen kam und die Abende in der Quetsche sich eher zu einem Debattierclub mit ellenlangen Monologen entwickelten. Darauf hatte keiner wirklich Bock!
Immer nur diskutierend, von einem Thema zu anderen springend und extrem altklug auftretend hat er sich nach und nach für cleverer und wohl auch für etwas besseres gehalten. Mit der Zeit entwickelte sich die Sache so weit, dass er seine Geburtstage nicht mehr mit allen zusammen feierte, sondern die Spreu (alte Freunde) vom Weizen (neue Freunde) trennte. Man muss sich das vorstellen: Ich hatte früher wie ein Teil der Familie sogar an den Feiern teilgenommen, zu denen kein anderer eingeladen war und plötzlich wurde selektiert. Es kam so, wie es kommen musste: Die alten Freunde wurden nur noch gegrüßt wenn keiner dabei war der seine “Karriere” hätte schädigen können.
Da ich schon damals ein stark gewerkschaftlich angehauchter Typ war, gehörte ich in die Kathegorie die er keinem seiner Parteigenossen vorstellen wollte. Wir waren die besten Freunde, hatten vorher alles zusammen gemacht und plötzlich drehte der mir auf dem Weihnachtsmarkt den Rücken zu und sagte nicht mal mehr “Hallo”, weil er mit seinen FDP-Vortstandskollegen da war. Damals war ich noch nicht so “geübt” in den Argumenten und wollte ehrlich gesagt auch am Samstag Abend nicht immer nur über Politik, sondern eher über die anwesenden Mädels diskutieren, weshalb ich das Verhalten nie verstanden habe. Aber er fühlte sich in diesem Kreis der meist aus reicheren Familien (Klischee erfüllt) stammenden Jugendlichen einfach zu höherem geboren. Das ganze gipfelte darin, dass er sich seine alten Freunde nur noch “warm” hielt, für den Fall dass keiner seiner neuen Freunde am Wochenende Zeit hatte. Kurzfristige Absagen, nichteinhalten von Verabredungen und völlige Unzuverlässigkeit waren der traurige Höhepunkt dieser Entwicklung.
Unglaublich aber wahr: Uns hat das im Laufe von nicht mal 5 Jahren eine seit dem Kindergarten gewachsene Freundschaft gekostet.
Mai 10, 2008
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Es ist manchmal echt unglaublich. Kaum lugt die Sonne auch nur annähernd zwischen den Wolken hervor, beginnt der Deutsche mit dem typischen, ausgesprochen merkwürdigen Ritual: Wenn es warm wird, macht er Feuer! Im Grill natürlich. Dazu benötigt er dann eine größere Menge Gerstensaft oder Wein, um die vom Grill aufsteigende Hitze wieder neutralisieren zu können. Nähert sich dann der Abend, werden Unmengen an Fleisch in allen möglichen Varianten und Marinaden, von der Wurst bis zum Hackfleischröllchen, auf den Grill geworfen. Der sparsame Deutsche mariniert selbst und kauft nur die Bratwurst. Der weniger sparsame Vertreter geht zum Schlachter.
Der Bielefelder ist in der vermeintlich glücklichen Lage, mit Uspelkat einen Grillfleischspezialisten quasi vorder Haustür zu haben. Stadtbekannt hat dieser eine (gefühlt) 10m lange Kühltheke, in der verschiedenste Grillspezialitäten, vom Lammsteak bis zum Cevapcici auf den hungernden Käufer lauern. Preislich ist er eher in der oberen Kathegorie zu Hause, aber die Variationen sind schon einzigartig und qualitativ sehr gut. Vom Kutschersteak bis zum Straussensteak “indisch” ist alles vorhanden. Allenfalls der “Eisbärenspieß Knut” wäre noch eine denkbare, ausgefallenere Variante. Dort wollten meine bessere Hälfte und ich uns heute ebenfalls mit Leckereien für den heimischen Grill eindecken. Früh um acht waren wir zunächst im real und auf dem Spargelhof, um besagte Getränke für die innere Kühlung, sowie ein wenig Spargel für die pfingstlichen Feiertage zu besorgen. Danach, also auf dem Rückweg, wollten wir bei Uspelkat “noch schnell” Grillfleisch besorgen. Angekommen sind wir beim Tempel der marinierten Steaks um 9.05 Uhr.
Vor der Tür eine erwartete uns eine etwa 5m lange Schlange. Wilfremde Menschen kamen lachend und kopfschüttelnd an der Tür vorbei, liessen ein paar Sprüche bezüglich “der Bekloppten ab, die so früh schon da anstehen”, um sich anschließend brav am Ende einzureihen! 45 Minuten lang haben wir angestanden, um drinnen festzustellen, dass bereits viele Spezialitäten geradezu frisch aus dem noch zuckenden Schweinekörper geschnitten werden mussten, weil die Vorräte nicht ausreichten. Bürgerkriegsartige Tumulte um die letzten acht Käsebratwürste oder die wenigen noch vorhandene Souvlaki-Spieße haben wir unbeschadet übersatnden und hatten bereits 50 Minuten nach dem Anstellen unser Fleisch und waren auf dem Weg nach Hause. Grillfreunde sind bekloppt – und wir gehören dazu!
Uspelkat, Pfingsten 2008 – WIR WAREN DABEI
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Mai 2, 2008
· abgelegt unter alltäglich
Alle halbe Jahr ist man(n) wieder gezwungen, seine jahreszeitabhängige Bereifung den jeweiligen Bedingungen anzupassen. Sprich: Die Winterreifen mussten runter. In den letzten Jahren hatten meine bessere Hälfte und ich die Räder auf einem Felgenbaum im Keller. Also habe ich alle halbe Jahr acht Reifen aus dem Keller geschleppt, diese bei der Werkstatt meiner Wahl in 10 Minuten (pro KFZ) umstecken lassen und danach acht Reifen wieder in den Keller gewuchtet. Nachdem allerdings Anfang des Jahres mein schöner kleiner Peugeot 206 einem 307 Kombi mit 205er Schlappen auf Alu-Speichenfelgen gewichen ist, konnte und wollte ich den zusätzlichen Platz im ohnehin zu kleinen Keller nicht mehr erübrigen. Also habe ich die Räder beim Peugeot-Händler eingelagert.
Letzte Woche wollte ich die Räder umstecken lassen und die schönen Alu-Felgen endlich der sonnenhungrigen Öffentlichkeit präsentieren. Also habe ich vor der Spätschicht flux einen Termin für 11.00 Uhr vereinbart und bin pünktlich vor der KFZ-Schmiede vorgefahren. Natürlich in freudiger Erwartung dessen, dass die Reifen bereits vorgewärmt dort liegen und boxenstoppgleich in Rekordzeit gewechselt werden. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den Ölwannenreiniger gemacht. Nachdem man mich zunächst mal 10 Minuten konsequent ignoriert hatte, erbarmte sich dann ein sichtlich genervter KFZ-Fachmann und hinterfrug mein Anliegen. Freudig lächelnd habe ich ihm meinen Namen und den Termin genannt, um dann von ihm zu hören: “Setzense sich ma da oben hin und trinkense nen Kaffee. Das dauert ungefähr ne Stunde!” Ja was zum Geier dauert denn da eine Stunde??? Genau diese Frage habe ich freundlicher formuliert an den Meister der Bereifung gestellt. Wozu habe ich denn dann einen Termin gemacht? “Wissen sie eigentlich, wie viele Reifen wir eingelagert haben? Von 650 Kunden! Da dauert das eben etwas!” Gut und schön, aber ich wollte mir ja schließlich nicht die schönsten Reifen aussuchen und ganz sicher kein Casting nach dem Motto Richie sucht den Superreifen veranstalten. Ich wollte einfach nur meine Schlappen umgezogen haben. Das dauert normalerweise etwa 15 Minuten und wenn man einen Termin macht, kann man das auch vorbereiten und die Reifen schon parat liegen haben. “Wir brauchen doch erst mal ihren Zettel mit der Fachnummer.” Jungs, was ihr braucht ist eine schlichte Excel-Tabelle – dann klappts auch mit der Fachnummer! So viel Zeit für 16 Schrauben, das wollte ich kaum glauben. Immerhin musste ich noch zur Arbeit. “Kein Problem, wennse keine Zeit ham, machen wer nen neuen Termin.” Nee, die Zeit hab ich gerade so, ich muss um halb zwei anfangen, aber wenn sowas so lange dauert, wüsste ich das gern vorher. “Naja, wir müssen ihre Reifen ja auch sofort wieder einlagern” Ja und? Soll ich mit anpacken oder was? Spätestens an der Stelle konnte ich der Argumentationskette nicht mehr folgen. Aber auf der anderen Seite war ich der Diskussion auch überdrüssig.
Nach gut 60 Minuten konnte ich die Rechnung begleichen und durfte vom Hof fahren. Nächste Woche werde ich die Werkstatt meines Vertrauens hier um die Ecke aufsuchen und fragen, ob die ebenfalls Reifen einlagern. Dann dauert es demnächst höchstens 20 Minuten, aber von Service verstehen die dort wesentlich mehr als die Jungs bei Peugeot. Tolle Autos, bescheidene Werkstatt. Schade eigentlich!