Archiv für April, 2008

Komm, mach die Fackel aus!

Eigentlich hatte ich gedacht, dass der Spießrutenlauf zusammen mit den Landsknechten ausgestorben ist. Aber in den letzten Tagen sieht man ihn sogar im Fernsehen – wenn auch in abgewandelter Form. Dann da trägt der Delinquent anstelle von Fesseln eine Fackel und schreitet nicht durch eine zwei Meter breite Gasse mit vorgereckten Spießen, sondern joggt, von Sicherheitskräften flankiert, gleich durch eine ganze Stadt. Nur nennt man das ganze Drama heute Fackellauf und es ist der Auftakt zu den olympischen Spielen in Peking.
Spiele des Friedens und der Völkerverständigung, einst griechische Tradition und heute eine Farce. Eine Farce, weil sie in einem Land stattfinden, welches auf Menschenrechte noch weniger Rücksicht nimmt, als ein Torrero auf den Stier. Die Demonstrationen am Straßenrand zeigen deutlich, was die Menschen vom Austragungsort China und der Abschlachtung der Tibeter halten. Auch wenn das IOC sich außerpolitisch sieht und der Meinung ist, Sport und Politik sollten getrennt werden, muss man sich schon mal fragen, ob der Austragungsort unbedingt China sein muss?
Gerade weil die jüngste Story mit den Tibetern nicht der einzige Ausrutscher eine Regierung ist, die sich einen Dreck um ihr Land, die Rechte anderer, Pressefreiheit oder gar um das Copyright schert. Der größte wachsende Markt ist gleichzeitig der größte Copyshop der Welt. Wer das Maul aufmacht wird abgemurkst – ja, in so ein Land gehören die olympischen Spiele wirklich.
Begleitet werden die Fackelläufer, für die das tragen der Fackel eigentlich ein tolles Erlebnis sein sollte, von einer chinesischen Spezialeinheit. Typen in blauen Trainingsanzügen, die den Demonstranten bei ihren “Fackellöschversuchen” gleich hautnah zeigen, wie man in China mit nicht linientreuen Bürgern umgeht. Da gibt es ganz schnell was auf die Omme, während sie ganz nebenbei ungebührlich und unhöflich die Läufer herumkommandieren und herumschubsen. Quer durch die Länder beschweren sich die Läufer über Ton und Gebahren der Männer in Blau. Aber das IOC ist ja vollkommen unpolitisch und muss Sport und Politik eben trennen. Also nehmen sie hin, dass die Chinesen Sport und eigene Tradition und sehr eigene Auffassung der Menschenrechte offensichtlich gar nicht trennen wollen. Ganz nebenbei ist es meiner Ansicht nach zumindest fragwürdig, wenn ein Land auf kaltem Weg just mal eine Eliteeinheit einschleust. Aber es passt ins Bild.

Man muss es ganz klar sagen: Da hat man schon mehr Geschick bei der Auswahl der Länder bewiesen!

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