Macht die das öfter – oder nur im Lidl?
Wenn man sich die Protokolle der Bespitzelungen im Lidl so durchliest, dann bekommt man mal einen richtigen Einblick in die Denkweise von solchen Konzernen.
“Frau T. telefoniert mit ihrem Freund, es geht um das gemeinsame Abendessen. Obwohl sie weiß, dass der Markt gut besucht ist und noch diverse Arbeiten zu erledigen sind, verspricht sie ihm pünktlich Feierabend zu machen, was dann um 15.00 Uhr auch tut.” (via stern.de)
So eine Frechheit! Die Frau hat ein Leben neben der Arbeit? Die will pünktlich Feierabend, obwohl man die Öffnungszeiten verlängert hat? Ich hätte sie gleich rausgeworfen. Aber wenigstens weiß man jetzt, für welche bahnbrechenden Informationen große Konzerne/Ladenketten bereit sind, richtig viel Geld auszugeben. Denn die flächendeckende Kamerabespitzelung, sowie die zu bezahlende Detektei waren sicherlich nicht zu einem Spottpreis zu haben.
Wenn man mal einen Blick in die Gesprächprotokolle wirft, dann tauchen da viele Sachen auf, die einem guten Vorgesetzten sowieso auffallen müssten. Wenn eine Angestellte eine halbe Stunde lang Privatgespräche führt, müsste das normalerweise auffällig sein – es sei denn, wir reden über einen Einzelfall, der immer mal seine Gründe haben kann. Ebenso müsste ein Vorgesetzter sehen, wenn dort Kartons oder defekte Ware stundenlang auf der Erde herumliegen oder Pausenräume tagelang nicht aufgeräumt werden. Aber wahrscheinlich zahlt Lidl den Vorgesetzten nicht annähernd soviel wie den Detektiven, die dann deren Arbeit machen müssen. Die flächendeckenden Protokolle, die sich selbst mit dem allerkleinsten Mist beschäftigen, sind wirklich beispiellos.
Als wären diese Bespitzelungen noch nicht schlimm genug, setzt Lidl dem ganzen noch die Krone auf, indem sich die Bespitzelungen auch auf private Belange ausdehnen und man es dem Detektiv erlaubt, seinen Beobachtungen auch gleich persönliche Wertungen beizumischen. Das ganze, obwohl es sich bei den meisten Sachen um “Schlaglichter” handelt, also um Dinge, die nicht zwangsläufig exemplarisch für das Verhalten sind. Das ganze hat wirklich etwas von den Stasi-Methoden der ehemaligen DDR.
Lidl hat sich entschuldigt. Aber nicht, weil man etwas falsch gemacht hat, sondern weil man erwischt wurde. Mich würde mal interessieren, ob man hier nur die Spitze eines eisberges angekratzt hat oder ob da noch mehr hintersteckt.


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