DSDS und kein Ende
Neulich habe ich im neuen Programm von Dieter Nuhr gehört, dass es eine Qualle gibt, die, nachdem sie sich häuslich niedergelassen hat, den Rest ihres Lebens ihr eigenes Gehirn verdaut. Nun ja, seit es das neue DSDS – Casting gibt, bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich nur auf Quallen zutrifft. Im Gegenteil, ich glaube sogar dort Exemplare menschlicher Gattung gesehen zu haben, die den Veradauungsvorgang bereits abgeschlossen hatten.
Man mag es ja kaum glauben, aber diese Castings von DSDS bieten tatsächlich bei jeder Staffel neue Themen für eine Weblog-Kolumne. Eigentlich müsste man doch mittlerweile alles gesehen haben und eigentlich müssten doch nun langsam alle talentfreien Selbstüberschätzer, Volldeppen, Poser, Krächzer und stimmliche Vollwaisen an irgendeinem Casting teilgenommen haben. Aber nö, bei jeder Staffel wird man noch mal eines besseren belehrt. Höhepunkt bisher war der junge Mann, der schon mit Schnappatmung antrat, anschließend mit Biene-Maja-Stimme “die perfekte Welle” vorsang, während er herumsprang wie ein Frosch auf Extasy, um nach der Ablehnung durch die Jury mit einem bühnenreifen Nervenzusammenbruch zu Boden zu sinken. Völlig talentfrei hatte er sich wirklich Hoffnung auf mehr gemacht – wieso auch immer?
Sicher – so ein Casting ist witzig anzugucken! Aber wenn ich dann sehe, dass jemand nach “3x nein” und “Du hast keinen Ton getroffen” durch die Jury anschließend mit Erziehungsbrechtigter und Gesangslehrerin wieder kommt, um sozusagen öffentlich Beschwede einzulegen, dann komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Vor allem, wenn die Diskussion mit “irgendeinem drittklassigen Vocalcoach” (Original Bohlen) dann in die Frage ausartet, ob die Stimme dünn oder vielleicht doch einfach nur sch*** ist! Überhaupt wird einem als Jury schon einiges geboten. Vom genannten seelischen Zusammenbruch, über entsetztes Staunen bei der Ablehnung, bis zum kollektiven Betteln um ein Photo mit Dieter.
Meiner Ansicht nach ist das Casting mittlwerweile zu einem eigenen Geschäft geworden, bei der man als Jurymitglied nicht nur einen Blick für stimmliches Talent, sondern auch eine komödiantische, schlagfertige Ader haben muss. Wahrscheinlich wird mit dem Casting und dessen medialer Vermarktung jetzt schon so viel Geld gescheffelt, dass es auch rechnerisch Sinn macht, zusätzlich auf Ibiza oder Mallorca noch den letzten alkoholvernebelten Tollpatsch zum Vorsingen zuzulassen. Spätestens wenn da zwei Typen im Taucheranzug auftauchen oder die 55jährige, leicht übergewichtige Hausfrau nach dem 12. Sangria noch mal schnell Klassiker im Stile von “…im Frühtau zu Berge…” vorträllern darf, geht die Ernsthaftigkeit doch irgendwie verloren. Wahrscheinlich casten sie beim nächsten Mal auch im Dorf Münsterland. Ich warte drauf, dass dieser Vorauswahl endlich der deutsche Comedypreis verliehen wird.
Ich denke, man sollte Deutschland sucht den Superstar ehrlicher Weise unterteilen. Einmal in “das Comedy-Casting” (welches tatsächlich auch meine voyeuristischen Gelüste befriedigt) und anschließend in die eigentliche Sendung, in der echte Talente echte Unterhaltung bieten dürfen. Wobei ich mit letzteres nicht anschaue – da habe ich zu wenig zu schreiben
!









