Nun ist das Geschrei groß! Der Mindestlohn im Postgewerbe (9,80€ / Stunde) vernichtet nun also 1000 Arbeitsplätze bei PIN. Das ist ein privater Briefzusteller, der aufgrund dieser Lohnforderung jetzt festgestellt hat, dass sich ein privater Dienst in Deutschland zu diesen anscheinend horrenden Bedingungen nicht mehr lohnt. Weitere private Zustelldienste werden folgen, TNT und Hermes verzichten gleich ganz auf den Aufbau eines Briefzustelldienstes. Steuersubventionen gehen dabei den Bach runter, getätigte Investitionen in Milliardenhöher würden sehenden Auges vernichtet, so PIN-Geschäftsführer Günther Tiel.
So ist die Gewerkschaft! Nun werden tausende von Arbeitsplätzen für gering Qualifiizierte und ehemalige Langzeitarbeitslose vernichtet. Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich mit dieser Thematik intensiv und prangert an, dass verdi sich anscheinend nur für die arbeitende, nicht aber für die arbeitslose Bevölkerung interessiere. Der Mindestlohn müsse deutlich unter 9,80 € liegen. Ah ja! Kurze Frage: Wovon soll man denn leben?
Nun haben wir gelernt, dass der Mindestlohn ein Teufelswerk ist, welches Arbeitsplätze vernichtet. Aber wie sehen die Arbeitsplätze eigentlich aus? Pro zugestelltem Brief bekommt ein Zusteller etwa 13 Cent. Das ist noch viel. City Post beispielsweise liegt bei ganzen 5 Cent. Man kann sich also ausrechnen, was da am Monatsende an Unsummen in der Geldbörse klingeln. Wer das spritgeld raus hat, der kann quasi glücklich sein.
Dazu kommt eine Arbeitszeit, die gern auch mal bei 60 Stunden in der Woche liegt. Um es genau zu sagen: Wer bei so einem Zustelldienst arbeitet, der macht das aus reiner Langeweile oder er sieht es als Hobby. Denn Fakt ist, leben kann man davon nicht! Dies bestätigt auch die Geschichte von Lothar Daniel, der gerade mal 1100,-€ Brutto mit seinem Job verdient und sich deshalb wieder bei seiner Mutter einquartiert hat. Eine Wohnung in Kiel kann er sich von den maximal 850,- € Netto sowieso nicht leisten. Aber Lothar hat einen Vorteil: Er hat etwas zu tun und vor allem wird er aus der Arbeitslosenstatistik gestrichen!
Nun verlieren wir also etwa 1000 dieser Arbeitsplätze bei der PIN Group, die übrigens mehrheitlich dem Axel-Springer-Verlag gehört. Mit anderen Worten, es kommen wieder 1000 Menschen in die Statistik, die mit ihrem Job sowieso nicht die Butter für’s Brot verdinen konnten. Der eigentliche Skandal ist nicht der Mindestlohn, sondern die Tatsache, dass Menschen in Deutschland mit einem Vollzeitjob so wenig verdienen, dass sie dennoch Hartz IV-Empfänger bleiben. Nur der vom Staat zu zahlende Satz ist geringer. Aber das scheint ja schon zu reichen. Arm nicht statt, sondern trotz Arbeit.
Weshalb tut sich der Staat mit einem ordentlichen Mindestlohn so schwer? Ganz einfach: Er hat die Möglichkeiten für Billigfirmen durch die Verschärfung der Hartz-Gesetze erst geschaffen, weil die Zumutbarkeitsregelungen das Ablehnen solcher Jobs gar nicht mehr zulassen. Berlins Ämter haben beispielsweise ihre Briefe nach dem Motto “Hauptsache billig” vornehmlich mit Billiganbietern wie PIN verschickt. Länder und Ämter haben diese Möglichkeiten genutzt, obwohl bekannt war, wie schlecht die Arbeitsbedingungen bei den privaten Zustellern sind.
So schön es ist, wenn ein Mensch Arbeit hat und wie wichtig es auch ist, dass er in seinem Leben einen Sinn erkennt, sowas kann nicht das Ziel sein. Es kann nicht sein, dass eine Firma wie PIN als Opfer dargestellt wird, nachdem sie über Jahre hinweg ihren Beschäftigten das Blut ausgesaugt hat. Medien, die dies so darstellen, haben die Zeichen der Zeit und die bedenkliche Entwicklung im Land immer noch nicht erkannt. Um solche Arbeitsplätze ist es nicht schade!