RUF MICH AN – oder doch nicht?
Irgendwann hat meine werte Frau Gemahlin es mal für eine gute Idee gehalten, sich beim Versandhaus Weltbild etwas zu bestellen. Gut, kann man mal machen, ist nicht weiter wild. Normalerweise kommen dann haufenweise Postwurfsendungen, die man ungeöffnet gemäß ihrer Bestimmung werfen kann – in die blaue Tonne vor der Haustür.
Was niemand ahnen konnte war, dass dieser Verlag /dieses Versandhaus oder was auch immer das ist, offensichtlich zum Ziel hat, sämtliche verbliebenen Arbeitslosen in Deutschland in einem seiner Callcenter zu beschäftigen. Das Ergebnis dieser Beschäftigung ist ständige Schikane … äh sind zahlreiche, wohlmeinende Anrufe, mindestens drei mal pro Monat, die zur Kundenzufriedenheit und Umsatzsteigerung beitragen sollen. Letzteres ist natürlich zweitrangig, es steht selbstredend das nette Gespräch im Vordergrund. Ehrlich – ich wurde noch nie so oft am Telefon von wildfremden Menschen gefragt wie es mir geht. Ach so, wieso ich das gefragt werde wollt ihr wissen? Ganz einfach: Meine Frau muss ab und an auch mal immer arbeiten und ich habe sehr oft das zweifelhafte Vergügen, bei diesen Anrufen am Telefon zu landen.
Nun ist meine Frau in solchen Fälle (leider) immer sehr höflich, hört sich die Anliegen der Call-Center-Agents (geil oder) immer wieder in Ruhe an, um dann freundlich aber bestimmt nichts zu kaufen, was sie nicht will. Aber durch die freundliche Art und Weise scheinen wir irgendwie in der Hierachie der zu beeinflussenden Kunden gestiegen zu sein und so kam dann letzte Woche ein Anruf von einem rhetorisch sehr gut geschulten Mann. Mit charmanter Frechheit, Flirtstimme und Gesprächtaktik hat er seinen augenscheinlich besuchten Kurs bei Phillip von Senftleben in der Praxis erprobt und meine bessere Hälfte überredet—-äh… überrumpelt … äh davon überzeugt, dass sie gern möchte, dass er uns mal besucht. Am Abend – nach 19.00 Uhr! Er würde kurz vorher noch mal anrufen. Natürlich waren wir nicht da
!
Heute hat der nette junge Mann sich noch mal gemeldet. Er wollte sich beklagen, weil meine Frau den Termin nicht eingehalten hat. Leider war meine bessere Hälfte mal wieder arbeiten und so hatte er mich am Telefon. In meiner diplomatischen, ruhigen Art habe ich ihm gesagt, dass meine Frau sich von seiner Gesprächtaktik im Rückblick auf das Telefonat überfahren gefühlt habe und es deshalb vorgezogen hätte, lieber nicht daheim zu sein. Ach und wo wir schon mal dabei waren, habe ich ihm auch gleich gesagt, dass wir die – nennen wir es mal intensive telefonische Betreuung – durch die Weltbildgruppe langsam aber sicher als Belästigung erachten. Natürlich war er völlig anderer Meinung und hat mir mit flötender Stimme versichert, dass meine bessere Hälfte höchstselbst in freiem Willen und Vollbesitz aller geistigen Kräfte den Termin mit ihm vereinbart habe. Schön, habe ich gesagt, er habe ja nun meine Aussage (und ihre Ansicht) dazu gehört und ich empfähle ihm, auch wenn es schwer falle, dies einfach mal als “unkommentiertes Feedback” dafür zu nehmen, wie er bei den Kunden/innen ankomme.
Im übrigen wäre es bei uns so, dass wir Bestellungen aus einem Katalog nur dann tätigten, wenn wir der Meinung wären, dies sei nun der angebrachte Zeitpunkt für eine Neuanschaffung. Insofern sei es für ihn sinnvoll, dies schriftlich zu vermerken und von weiteren Anrufen oder gar Besuchsversuchen abzusehen, weil sich ansonsten der Umsatz mit uns drastisch – also quasi auf Null – reduzieren werde.
Ja, hat er gemeint, aber meiner Frau stände doch ein Geschenk zu, er wolle ja auch gar nichts verkaufen (is klar), sondern nur in eine kurze Umfrage durchführen. Ich habe ihm dann empfohlen, meine geschilderten Eindrücke einfach als Umfrageergebnis zu werten und das Geschenk von mir aus dem Kinderhilfswerk zu spenden. Spätestens an dem Punkt war ihm wohl klar, dass seine Gesprächstaktik mit der meinen nicht so richtig kompatibel war. Wir haben das Telefonat dann höflich mit dem Versprechen seinerseits beendet, es würden keine weiteren Anrufe mehr folgen. Schaun mer mal!
Selten ist mir ein Versandhaus untergekommen, dass seinen Kunden auf diese Art so massiv bewirbt. Natürlich ist das ein hart umkämpfter Markt, aber irgendwann ist auch mal Schluß. Zumal die dort keinerlei Hemmungen haben, auch abends nach 21.00 Uhr noch anzurufen, wenn meine bessere Hälfte Spätschicht hat.
Also ganz ehrlich – meinem Weltbild entspricht das nicht.







