Archiv für November, 2007

RUF MICH AN – oder doch nicht?

Irgendwann hat meine werte Frau Gemahlin es mal für eine gute Idee gehalten, sich beim Versandhaus Weltbild etwas zu bestellen. Gut, kann man mal machen, ist nicht weiter wild. Normalerweise kommen dann haufenweise Postwurfsendungen, die man ungeöffnet gemäß ihrer Bestimmung werfen kann – in die blaue Tonne vor der Haustür.

Was niemand ahnen konnte war, dass dieser Verlag /dieses Versandhaus oder was auch immer das ist, offensichtlich zum Ziel hat, sämtliche verbliebenen Arbeitslosen in Deutschland in einem seiner Callcenter zu beschäftigen. Das Ergebnis dieser Beschäftigung ist ständige Schikane … äh sind zahlreiche, wohlmeinende Anrufe, mindestens drei mal pro Monat, die zur Kundenzufriedenheit und Umsatzsteigerung beitragen sollen. Letzteres ist natürlich zweitrangig, es steht selbstredend das nette Gespräch im Vordergrund. Ehrlich – ich wurde noch nie so oft am Telefon von wildfremden Menschen gefragt wie es mir geht. Ach so, wieso ich das gefragt werde wollt ihr wissen? Ganz einfach: Meine Frau muss ab und an auch mal immer arbeiten und ich habe sehr oft das zweifelhafte Vergügen, bei diesen Anrufen am Telefon zu landen.
Nun ist meine Frau in solchen Fälle (leider) immer sehr höflich, hört sich die Anliegen der Call-Center-Agents (geil oder) immer wieder in Ruhe an, um dann freundlich aber bestimmt nichts zu kaufen, was sie nicht will. Aber durch die freundliche Art und Weise scheinen wir irgendwie in der Hierachie der zu beeinflussenden Kunden gestiegen zu sein und so kam dann letzte Woche ein Anruf von einem rhetorisch sehr gut geschulten Mann. Mit charmanter Frechheit, Flirtstimme und Gesprächtaktik hat er seinen augenscheinlich besuchten Kurs bei Phillip von Senftleben in der Praxis erprobt und meine bessere Hälfte überredet—-äh… überrumpelt … äh davon überzeugt, dass sie gern möchte, dass er uns mal besucht. Am Abend – nach 19.00 Uhr! Er würde kurz vorher noch mal anrufen. Natürlich waren wir nicht da !

Heute hat der nette junge Mann sich noch mal gemeldet. Er wollte sich beklagen, weil meine Frau den Termin nicht eingehalten hat. Leider war meine bessere Hälfte mal wieder arbeiten und so hatte er mich am Telefon. In meiner diplomatischen, ruhigen Art habe ich ihm gesagt, dass meine Frau sich von seiner Gesprächtaktik im Rückblick auf das Telefonat überfahren gefühlt habe und es deshalb vorgezogen hätte, lieber nicht daheim zu sein. Ach und wo wir schon mal dabei waren, habe ich ihm auch gleich gesagt, dass wir die – nennen wir es mal intensive telefonische Betreuung – durch die Weltbildgruppe langsam aber sicher als Belästigung erachten. Natürlich war er völlig anderer Meinung und hat mir mit flötender Stimme versichert, dass meine bessere Hälfte höchstselbst in freiem Willen und Vollbesitz aller geistigen Kräfte den Termin mit ihm vereinbart habe. Schön, habe ich gesagt, er habe ja nun meine Aussage (und ihre Ansicht) dazu gehört und ich empfähle ihm, auch wenn es schwer falle, dies einfach mal als “unkommentiertes Feedback” dafür zu nehmen, wie er bei den Kunden/innen ankomme.
Im übrigen wäre es bei uns so, dass wir Bestellungen aus einem Katalog nur dann tätigten, wenn wir der Meinung wären, dies sei nun der angebrachte Zeitpunkt für eine Neuanschaffung. Insofern sei es für ihn sinnvoll, dies schriftlich zu vermerken und von weiteren Anrufen oder gar Besuchsversuchen abzusehen, weil sich ansonsten der Umsatz mit uns drastisch – also quasi auf Null – reduzieren werde.
Ja, hat er gemeint, aber meiner Frau stände doch ein Geschenk zu, er wolle ja auch gar nichts verkaufen (is klar), sondern nur in eine kurze Umfrage durchführen. Ich habe ihm dann empfohlen, meine geschilderten Eindrücke einfach als Umfrageergebnis zu werten und das Geschenk von mir aus dem Kinderhilfswerk zu spenden. Spätestens an dem Punkt war ihm wohl klar, dass seine Gesprächstaktik mit der meinen nicht so richtig kompatibel war. Wir haben das Telefonat dann höflich mit dem Versprechen seinerseits beendet, es würden keine weiteren Anrufe mehr folgen. Schaun mer mal!

Selten ist mir ein Versandhaus untergekommen, dass seinen Kunden auf diese Art so massiv bewirbt. Natürlich ist das ein hart umkämpfter Markt, aber irgendwann ist auch mal Schluß. Zumal die dort keinerlei Hemmungen haben, auch abends nach 21.00 Uhr noch anzurufen, wenn meine bessere Hälfte Spätschicht hat.

Also ganz ehrlich – meinem Weltbild entspricht das nicht.

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Jetzt wird es kritisch

Fleisch ist teurer geworden. Wenn man ein paar Hähnchenbrüste bezahlt hat man das Gefühl, man müsste eigentlich die gesamte Zuchtstation mitsamt technischer Unterstützung und Personal frei Haus geliefert zu bekommen. Oder wahlweise den kompletten Hof samt Bauer und Frau (soweit er die nicht bei RTL sucht), falls man sich zurzeit für Schweinefilet entscheidet. Aber man weiß, die Züchter brauchen das Geld, insofern ist es vollkommen okay. Ähnlich ist bei der Milch und folglich auch der Butter, die ja ebenfalls teurer geworden sind. Muss sein, damit sich Landwirtschaft auch weiterhin lohnt und der Bauer sozusagen beim Euter gehalten wird. Die Argumente beim Brot sind ähnlich, weil der Bäcker die Güter teurer kaufen muss und weil man schließlich finaziell unterstützen sollte, dass Menschen nachts um zwei Uhr aufstehen, damit wir morgens vor der Arbeit frische belegte Brötchen kaufen können oder am Abend ein paar Scheiben schönes knuspriges Röstbrot zwischen die Kiemen bekommen. Alles kein Problem, auch wenn der ALDI jetzt auch schon an der Preisschraube dreht. Sind die Eier halt etwas teurer – was macht das schon?

Aber heute habe ich etwas gehört, was das Fass zum überlaufen bringt! Denn nicht nur die oben genannten Luxusgüter werden teurer. Nein – sie schrecken auch vor der drastischen Erhöhung der Grundnahrungsmittelpreise nicht zurück. Wasser und Getreide können doch nicht so teuer geworden sein. Oder wieso kommen die auf den Gedanken, dass man eine Kiste Bier im nächsten Jahr um 1,50 Euro teurer machen muss? Das ist gnadenloses drehen an der Preisschraube unverzichtbarster Lebensmittel. Erpressung und unverschämte Bereicherung ist das! Was das für Auswirkungen haben wird…

…ich meine okay, hier in Ostwestfalen geht’s ja noch, hier sind nur die geselligen, feucht-fröhlichen Grillabende im ohnehin spärlichen Sommer vom Aussterben bedroht. Trotzdem sind die Folgen nicht abzusehen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich vollkommen nüchterne Obdachlose, die mich nach einem Euro fragen und dann davon tatsächlich eine Bratwurst kaufen, weil Kippen und Bier zu teuer geworden sind. Die Flaschensammler vor dem Fußballstadion können vom Arbeitsamt nicht mehr als “vermittelt” betrachtet werden und die Menschen in Bayern laufen glatt in Gefahr zu verhungern! Man muss dieser unverantwortlichen Entwicklung schleunigst durch Einflußnahme der Politik entgegen wirken. Wo kommen wir denn da hin, wenn man an den notwendigen Lebensmitteln sparen muss?

Die Katastrophe naht. Also Angie – nicht reden sondern handelt.

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Hab ich was verpasst?

Hab ich eigentlich einen Wirbelsturm verpasst? Ist irgendwo unerkannt eine Ölplattform abgesoffen? Ist vielleicht die Finanzierung von THE WORLD gefährdet? Haben die Scheichs einen Triller unter’m Pony, Hitzewellen, fortschreitenden Realitätsverlust oder wie erkläre ich mir den Preis meiner letzten Tankfüllung?

Da in Dubai bauen die einen Geldspeicher nach dem anderen, weil sie nicht wissen, wo sie die viele Kohle lassen sollen, die mit dem Öl verdient wird. Das Blöde ist bloß, als Berufspendler weiß man auch bald nicht mehr woher man die Kohle nehmen soll, um besagte Geldspeicher zu füllen. Ich erinnere nich noch gut an die neue deutsche Welle. Damals mit Markus und seinem Sience-Fiction-Song “…und kost’s Benzin auch 2,10-DM…” In den 80ern waren das utopische Vorstellungen! Und heute? 1,05- € – wo ist die Tanke? Da muss ich schnell mal vorbei!
Wenn ich mir die Preisentwicklung so anschaue, bei Benzin und auch beim Strom, dann komme ich schon manchmal an den Punkt, wo ich mich frage ob das mit der unkontrollierten Marktwirtschaft immer so eine tolle Idee ist. Zumindest bei einem Olygopol, also bei wenigen Anbietern einer wichtigen Ressource, die dann natürlich ganz ohne Preisabsprachen in fairem Wettbewerb miteinander im Sinne des Volkes die Preise rein anhand des Marktwertes festlegen. Is klar. Die würden uns doch nie erpressen, nur weil wir auf Strom oder Benzin angewiesen sind. Die machen doch schon Milliardengewinne. Wieso sollten die den Hals nicht voll kriegen? Da kann doch quasi gar nichts passieren. Immerhin wird ja alles auch vom zahnlosen, alterschwachen Tiger, auch Kartellamt genannt, überwacht. Reguliert allerdings nicht, denn dazu fehlt es an Möglichkeiten.
Blöd ist das vor allem für diejenigen, die sich nicht aussuchen können, ob sie das Auto mal stehen lassen. Ich bin Pendler ohne Anschluß an öffentliche Verkehrsmittel, muss also irgendwie zur Arbeit. Fürs Fahrrad ist es allerdings etwas zu weit und es führt auch nur der Weg über die viel befahrene Bundesstrasse zum Ziel. Da muss der Preis schon noch ein paar Euro steigen, bis die zum bestausgebauten Fahrradweg in Ostwestfalen mutieren kann. Wenn es nicht so viel Aufwand wäre, ich würde mir glatt ein Pferd kaufen. Aber da kriege ich so schlecht in unseren Fahrradkeller und die Nachbarn hätten wohl auch was dagegen. Außerdem bin ich nicht sicher, wo ich das Tier vor der Firma anbinden könnte.

Vor kurzem habe ich mal einen netten Satz im Fußballstadion gehört: “Zahlen, klatschen, Fresse halten – dazu sind wir da!” Beim Blick auf Zapfsäulen und Stromrechnung bekommt der Satz eine ganz andere Bedeutung. Bin mal gespannt, wann das Thema populistisch genug wird, um die ersten Politiker mit markigen Sprüchen vor die Kameras zu locken. Dann wird’s sicher bald wieder besser…

…oder?

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Ist ja gut!

Ja, ja, ja, Schwiegerpapa, ich weiß, ich bin schreibfaul geworden! Aber das hat auch einen Grund. Immerhin muss ich kräftig am Stuhl unseres Trainers sägen. Also genauer an dem Trainer unseres heimischen Bundesligisten. Deshalb habe ich meine Zeit zuletzt eher darauf verwandt, an diesem Leserbrief zu feilen. Er wurde übrigens ungekürzt abgedruckt:

Im Training bei Arminia geht es richtig zur Sache. Es geht derart zur Sache, dass ein Spieler wie Markus Bollmann ausflippt und sich mit einem Teamkollegen im griechisch-römischen Stil versucht. Dafür wird er vom Trainer vorzeitig zum Duschen geschickt um das Gemüt abzukühlen. Anschließend sind alle Beteiligten bemüht, die Geschehnisse möglichst harmlos darzustellen.

Ernst Middendorp tat in der letzten Saison gut daran, derart provokante Methoden zu nutzen, um mit einer leblosen Mannschaft einen Endspurt hinzulegen, an den niemand mehr geglaubt hatte. Für eine komplette Saison verbrennt sich die pausenlose und ausschließliche Nutzung der verbalen Peitsche zur Motivation allerdings sehr schnell. Welcher Arbeitnehmer will schon von seinem Chef täglich immer nur getrieben werden? Leider zeigt sich deutlich, “Power-Ernst“ ist in der Methodik nicht annähernd so variabel, wie bei seinen ständigen, teils unverständlichen Rotationen in der Startformation.

Machen wir uns nichts vor: Guten Fußball hat es unter Middendorp in der ganzen Saison noch nicht zu sehen gegeben. Glückliche Siege täuschten über schwache Vorstellungen hinweg.

Er hat die Mannschaft mit seinen Methoden in dieser Saison physisch und psychisch und leider auch spielerisch und taktisch vollkommen zu Grunde gerichtet. In der Vorsaison noch von den zuletzt zu starr praktizierten, aber dennoch einstudierten Abläufen profitierend, findet sich Handschrift des Jahrhundertrainers mittlerweile im langsamsten Umschalten von Abwehr auf Angriff, sowie dem planlosesten Fußball seit der Ära von Hermann Gerland wieder. Statt nun diese spielerischen Defizite anzupacken, Selbstvertrauen und Teamgeist aufzubauen, setzt er weiterhin auf Konflikte und knallhartes Training. Das Ergebnis ist unter anderem ein blamables 0:0 mit gruseligster Spielanlage bei einem Fünftligisten. Ernst Middendorp hat in meinen Augen gar nicht begriffen, wo das Problem in seiner Mannschaft liegt – und schon gar nicht, dass er selbst ein großer Teil des Problems ist.

Middendorp wird die Mannschaft nicht weiter bringen und er wird sich und seine Methoden nicht ändern. Deshalb denke ich, eine saubere Trennung wäre für alle Beteiligten auf kurze Sicht die beste Lösung.

Ich denke mir auch ein neues Thema für Deine Sonntagslektüre aus – versprochen

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