Archiv für Oktober, 2007

Pflegenotstand

In den letzten Wochen habe ich immer wieder etwas von mangelnder Pflege in Altenheimen gelesen. Von Verwahrlosung oder dehydrierten alten Menschen. Sowas kann es natürlich nicht sein. Solche Umstände darf es in keinem Heim geben! Geht man aber dem Grund für all das mal auf die Spur, kommt man zu alarmierenden Erkenntnissen. Hier mal ein Bericht aus eigener Erfahrung:

Den Pflegenotstand erlebe ich jeden Tag zu Hause. Natürlich nicht in dem Sinne, dass ich keine bekäme. Aber meine bessere Hälfte ist Altenpflegerin. In einem Heim, in dem das Personal von Monat zu Monat mehr belastet wird, während sich die Führungsebene immer neue Aufgaben einfallen lässt, welche das Pflegepersonal noch “nebenbei” mit erledigen soll. Die neuste Aufgabe meiner Frau ist das Bereitstellen von Inkontinenzmaterialien ( also Windeln und Co.) für beide Stationen. Will sie ihre Pflegeaufgaben nicht vernachlässigen, muss sie diese drei- bis vierstündige Aufgabe nach der regulären Arbeitszeit erledigen. Die Folge ist, dass sie quasi jeden Montag mindestens 11 bis 12 Stunden im Altenheim ist. Mal abgesehen vom Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz ist dies eine weitere Belastung für das ohnehin schon überlastete Pflegepersonal. Ein erhöhter Krankenstand ist deshalb ein ständiges Thema. Wird jemand krank, müssen die noch vorhandenen Mitarbeiter die Schichten abdecken, also an freien Tagen einspringen, was für den Rest weitere Belastung bedeutet. Zumal es dort nicht üblich ist, dass eingetragene FA-Tage oder freie Wochenenden, die deshalb nicht genommen werden konnten, zeitnah neu gewährt werden. Die kommen aufs Stundenkonto. In all der knapp bemessenen Pflegezeit (bei der die pflegebedürftigen Menschen immer mehr in den Hintergrund rücken) besteht die Verpflichtung, die Dokumetationen auf dem aktuellen Stand zu halten, was während der regulären Arbeitszeit in vielen Fällen kaum möglich ist. In Folge dessen entwickelt sich ihr Stundenkonto natürlich stets nach oben, während die Stimmung auf den Nullpunkt sinkt.
Im letzten Sommer hat meine Frau die eine oder andere Stunde unentgeltlich drangehängt, weil sie während der normalen Arbeitszeit nicht genug Zeit hatte, um mit einer der Bewohnerinnen mit dem Rollstuhl mal bei schönem Wetter durch den Garten zu fahren! Wenn man dann in den Medien etwas von Pflegenotstand und Kritik am System liest, muss man sich fragen, ob sich Politiker jemals ein Bild von den Nöten vor Ort gemacht haben.

Nun habe ich selten eine derartige Realitätsverleugnung erlebt, wie bei den Führungskräften eines Altenheims. Nicht etwa, dass man nun versucht das Personal zu entlasten. Nein, es gibt Mitarbeiterbesprechungen, in welchen von der Vorgesetzten verlangt wird, die Überstunden abzubauen. Das Ganze garniert mit Vorwürfen, die Mitarbeiter würden sich die Arbeit falsch einteilen und Sprüchen der Marke: “Für Dokumentationen wird zukünftig keine Überstunde mehr genehmigt.”
Wo noch Platz für Arbeitseinteilung ist, wenn man ständig am Leistungslimit arbeitet, das wird in diesen Sitzungen allerdings nicht erklärt. Auch nicht, wie man sich eine geplante Reduzierung der Überstunden vorstellt. Denn das ist schließlich Sache der Mitarbeiter .

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Hausfrauen – TV

Mittwoch hat es mich dann gerafft – und zwar krankheitsmäßig dahin. Von einem Tag zum andern von leichtem Schnupfen zum Erkältungssupergau. Kein Fieber, aber Schnupfen, Kopfschmerzen, Halsweh und ein Reizhusten mit dem ich jeden Rottweiler in die Flucht gebellt hätte. Also bin ich morgens zum Arzt geschlurft und das Ergebnis waren drei freie Tage auf gelben Schein. Inklusive strenger Bettruhe und ausgestattet mit Hustenstiller und Nasenspray. Na denn!

Daheim angekommen habe ich erst mal telefonisch alle wichtigen Leute von meiner Auszeit in Kenntnis gesetzt. Zunächst Arbeitgeber und Schichtpartner Tom, der den Abend unglücklicher Weise nun allein überstehen musste. Anschließend musste ich das geplante Wochenendseminar bei Arbeit und Leben nebst IG Metall absagen. Danach die bessere Hälfte, zwecks Besorgung von Tee und Taschentüchern und zum Abschluß Eltern und Großeltern zwecks Erhaschen von ein wenig Mitleid für die gebeutelte Seele.
Während der ganzen Telefonate wurde zunächst der verschriebene Hustenstiller eingeworfen, dann eine große Kanne Hagebuttentee gekocht, das Körnerkissen warm gemacht und zu guter letzt samt Nasenspray und Schlafanzug das Bett aufgesucht. Wenn ich da freiwillig reingehe, das will schon was heißen. Trotz Kopfweh habe ich dann flux den Fernseher angeworfen. Man(n) braucht schließlich etwas Zerstreuung. Aber ganz ehrlich, bei “Vera am Mittag” werden die Kopfschmerzen noch schlimmer. Auch bei den folgenden Gerichtssendungen rebelliert eher der Magen, anstatt dem kränkelnden Mann von seinen ohnehin zahlreich vorhanden Leiden abzulenken. Also aus das Ding und geschlafen. Ca. 20 Minuten, bis die Postfrau zwei mal klingelte. Die hätte auch zehn mal klingeln können und in Strapsen erschienen erstens bin ich verheiratet und zweitens wäre in meinem Zusstand nichts anderes möglich gewesen als ein Paket anzunehmen (und das war schon anstrengend).
Wieder wach nun also noch mal die Glotze an, weil lesen mit der dicken Birne gar nicht möglich war. VIVA und MTV hatten wahlweise Hard Rock oder Techno-Tag. Super! Im DSF versuchte ein angezogener Labervogel schon seit Stunden die Zuschauer zum telefonischen Erraten verschiedener Automarken zu motivieren. Gut das ich einen Job gelernt habe!
Über “Avenzio” und “drei Bewerber, ein Job” habe ich mich zu “taff” vorangearbeitet. Die zweite Kanne Tee gab es bei “Britt” und danach habe ich kurzzeitig überlegt, ob ein Sprung vom Balkon gegenüber einem Wochentag mit Fernsehen im Bett nicht doch die humanere Lösung gewesen wäre. Denn dieses Programm hält keine Sau aus!
Gott sei Dank konnte ich am Donnerstag schon wieder lesen und warm eingepackt auch ein, zwei Mal eine halbe Stunde an den PC. Mir graust es schon davor, sollte ich mal mit schwerer Grippe tatsächlich eine Woche oder länger bettlägrig werden. Denn dann würde ich dermaßen verblöden, dass mir die Grippe nach zwei Tagen wahrscheinlich vollkommen egal ist.

Was sagt eigentlich die Genfer Konbvention zum “Hausfrauen-Fernsehen”?

…fragt sich

Richie

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