Murphys Gesetz
Samstag in der Stadt – damit wir uns richtig verstehen, ich hatte Zeit und es kam nicht drauf an – konnte ich eine Reihe der Gesetzmäßigkeiten eines gewissen Murphy am eigenen Leibe ausprobieren.
Meine bessere Hälfte hatte Nachtwache, schlief also entsprechend den ganzen Morgen. Deshalb wollte Richie in die Stadt, um in aller Ruhe nach Büchern, Musik, PC-Zubehör, Photosachen, DVDs, Navis und ähnlichem was Frau nicht die Bohne interessiert zu stöbern. Den Start machte ich in der Buchhandlung, wo ich mir die Fortsetzung meiner aktuellen Sience Fiction Bücherserie holen wollte.
Siehe da, das Glück war mir hold und ich fand nicht nur eines, sondern gleich zwei der begehrten Bücher und somit genug Lesestoff für die erste Woche des im August anstehenden Urlaubs. Also ab an die Kasse, natürlich in die kürzeste Schlange. Vor mir nur eine Dame mittleren Alters mit drei Büchern in der Hand. Schade! Denn sie wollte die Bücher verschenken und bat darum, jedes einzeln einzupacken. Während also rechts und links von mir Scharen von Menschen finanziell quasi abgefertigt wurden, ja ich glaube sogar, die haben während meiner Wartezeit Millionen eingenommen, stand ich allein hinter besagter Dame und sah dabei zu, wie die Verkäuferin sich offensichtlich mit unglaublich sorgfätiger Verpackungs- und Schleifentechnik für den Titel “schönste Bücherverpackung 2007” bewerben wollte. Logisch auch, dass mir ein Kassenwechsel nichts nutzte, weil just in diesem Moment, wo ich kurzzeitig an Kasse zwei stand, der Kartenleser den Geist aufgab. Is klar!
Auch wenn man es nicht glaubt, irgendwann war ich dann doch aus dem Buchladen heraus und auf dem Weg zu einem der großen Elektronikmärkte in der Innenstadt, dessen Name ich hier nicht nennen möchte. Nachdem ich ausgiebig die Angebote bei den CDs und DVDs durchstöbert hatte, verschlug es mich in die teureren Gefilde des Marktes. Dort war ich auf der Suche nach einem erschwinglichen Navi für das Auto und siehe da, ein sehr günstiges Angebot (soweit man bei den Dingern davon reden kann) sprang mir ins Auge. Ein Kauf war eh geplant und mit der besseren Hälfte abgesprochen, also habe ich mir kurzentschlossen einen der letzten drei Kartons unterhalb des Preisschildes unter den Arm geklemmt. Geiz ist schließlich geil!
An der Kasse angekommen, wurde ich darauf hingewiesen, dass ich ein Navigationsgerät nicht ohne Garantiebeleg zahlen könnte. Diesen bekäme ich bei einem der Verkäufer. Super! Könnten die ja auch mal dran schreiben, oder? Also zurück in den Markt, auf der Suche nach einem der rar gesääten Verkäufer. Dort war der einzige Navi – Experte des Ladens soeben damit beschäftigt, einem Päärchen die Funktionsweise eines anderen Gerätes zu erklären. Leider Wort für Wort und so umfangreich, als hätte er die komplette Gebrauchsanweisung gefressen. Aber kein Problem, ich hatte ja Zeit und nach 15 Minuten Wartezeit entschieden die beiden, das Gerät nicht zu kaufen. Der Verkäufer wandte sich sichtlich angefressen meinem Problem zu. Er stellte mir auf die Schnelle den Beleg aus, ignorierte meine Fragen zur Technik und schickte mich zur Kasse zurück. Dort angekommen konnte ich leider feststellen, dass er mir den Beleg für die umfangreichere, rund 100 Euro teurere Navigationsvariante ausgestellt hatte. Sauber. Danke Murphy! Also zurück und rigoros in sein nächstes Verkaufsgespräch gemischt. Leider hatte unter dem Preisschild das falsche Gerät gestanden und, man glaubt es kaum, die letzten Angebote waren in der Zwischenzeit vergriffen. Nix Navi! Navi alle! Sachen gibt’s, die passieren sonst nur im Film.
Also raus aus dem Markt und ab zur zweiten großen, nicht namentlich genannten Kette in Bielefeld. Aber heute war Murphys großer Tag. Ich wieder zu den Navigationsgeräten, hinten rechts im Laden – also in einen Bereich, der gerade heute komplett umgebaut wurde. Das Ergebnis war klar. Es gab weder Verkäufer noch Preisschilder, aber dafür etliche Navigationsgeräte und zahlreiche ratlose Kunden. Lasst euch nicht verarschen, sagt die Werbung – nee, is klar! Verarscht werden wollte naturgemäß keiner und deshalb waren alle Kunden auf der Suche nach rot gekleideter, fachlicher Unterstützung, zwecks Ratschlag, Preisinformation und Belegausdrucks.
Ich kürze es ab: Mein Navi habe ich bekommen, zum gleichen Preis, wie es im anderen Laden angeboten wurde. Und das nur nach weiteren 40 Minuten Verkäufersuche, Wartezeit, Kurzberatung, Fragerei, Unterbrechungen durch andere Kunden und Erklärungen. Dann konnte ich endlich an der Kasse bezahlen.
Obwohl ich stöbern wollte und Zeit mitgebracht hatte, kam ich mir beim verlassen des Ladens vor, als hätte ich den ganzen Tag gearbeitet. Was schief gehen konnte, ging tatsächlich schief. Wenn’s läuft, dann läuft’s eben.
Murphys Gesetze, seit Samstag kenne wieder ein paar neue!
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