Archiv für Juni, 2007

Das Modell und der Freak

Bisher habe ich immer gedacht, der Tiefpunkt der deutschen Fernsehunterhaltung befände sich irgendwo zwischen Dschungelcamp und Angelika Kallwass. Aber ich wurde eines besseren belehrt. Denn es gibt eine neue Sendung im deutschen Fernsehen, die toppt alles, was meine Kummer gewohnten Augen bisher bereits gesehen haben.

In PRO 7 läuft am Donnerstag Abend ab 22.30 Uhr die Sendung Das Modell und der Freak Es handelt sich allerdings nicht, wie der geneigte Betrachter denken könnte, um eine Neuverfilmung von die Schöne und das Biest, sondern um eine Pseudoreportage über vermeintlich hilfsbedürftige Zeitgenossen. Die Freaks sind Männer, vorzugsweise von der ganz verklemmten Sorte, die sich durch besonders markante Verunstaltungen im Aussehen, strubbeligste Gesichtsbehaarung, schwarze Augenschminke oder von mir aus auch extremsten Körpergeruch bei der holden Weiblichkeit disqualifizieren. Es sind Männer dabei, die neben all diesen tollen Attributen allein durch ihr Hobby quasi reine Frauenmagneten sind. Beispielsweise war der eine – na nennen wir es mal – “Musiker“, der seine Lieder aber leider mit Hingabe ins Mikrofon rülpste. Die sind so schräg, Ozzi Osbourne würde als Kandidat wohl auch nach dem Konsum von 2 Flaschen Whiskey nicht in Frage kommen…

…wegen zu guten Aussehens und zu normalen Verhaltens!
Nun kommt der Clou: Zwei angebliche Topmodells, die leider kaum jemand kennt, verhelfen diesen so genannten Freaks zu neuem Aussehen, besserer Kleidung, weniger Mundgeruch und Flirterfahrung durch Rollenspiel. Eines dieser Modells, Monika Ivancan, ist die Freundin von Oliver Pocher, hat also quasi per Beziehung schon viel Erfahrung mit der Bändigung von durchgeknallten, nicht wirklich normalen Männern. So dürfen die Mädels denn auch oft genug ihren nicht vorhandenen Hüftspeck in verschiedensten Bikinis präsentieren und ansonsten allerlei sinnentleerte Worthülsen in die Kamera blubbern. Auf Textinhalt und Sinn kommt es bei der Sendung nur wahrlich nicht an.

Die ganze Show ist wohl eher unter “schlechter Witz“ einzuordnen. Da werden die Männer von den Schönheiten in engste Badehosen gesteckt, damit sie in Bademoden – Photoshootings neben weiblichen, bauchnabelgepiercten Astralkörpern posieren. Schliesslich sollen sie sich mit ihren untrainierten Schwabbelköpern erst mal so richtig Scheiße fühlen. Danach werden sie beispielsweise zu Tabledance oder zum Dessous kaufen geschleppt, angeblich um sie von der Scheu vor Frauen zu befreien. Im Grunde genommen werden die armen Würstchen also ständig von vollbusigen (zumindest optischen) Traumfrauen, die wahrscheinlich im wahren Leben diesen Typ nicht mal mit der Zange anfassen würden, so richtig geil gemacht. Wenn die Latte wieder abgeklungen ist, dürfen die Bikinipflanzen, die Stripperin oder die Modells dann über die armen Lichter noch mal richtig vom Leder ziehen. Mit anderen Worten, man macht die armen Jungs öffentlich mal so richtig zum Volldeppen! Das ganze wird als Lerneffekt, Tipp fürs Leben und Läuterung gegenüber dem schwachen Geschlecht verpackt.

Am Ende kommt ggfs. (natürlich) noch die typische Aschenpuddelnummer. Beide Freaks werden neu frisiert, eingekleidet und zum letzten Flirthärtetest (der natürlich toll läuft) geschickt, um dann als wertvolle, top gestylte, gut aussehende Phillip von Senftleben-Klone wieder auf die Gesellschaft losgelassen zu werden.
Mal abgesehen davon, dass es ziemlich unterirdisch ist, wenn Menschen während einer gesamten Stunde ausnahmslos als Freaks bezeichnet werden, ist diese Sendung wohl eine der dümmsten Formate, die es je zu sehen gab. Da kommen selbst die Teletubbies intellektueller daher. Ich finde es erstaunlich, dass im deutschen Fernsehen immer gerade dann, wenn man glaubt es gehe nicht mehr schlimmer, irgendein Privatsender doch noch eine tiefere Unterhaltungsebene ausfindig macht.

In diesem Sinne…

Geht am Donnerstag früh schlafen!

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doch nicht ganz das Simple Life

Also ich hätte ja nicht gedacht, dass Miss Hilton wirklich in den Knast muss. Als sie dann doch eingefahren ist, hatte ich spätestens bei ihre Freilassung aus „psychischen“ Gründen nicht erwartet, dass sie erneut in den Bau zurück muss. Ich dachte schon, dass Paris aufgrund ihrer extremen körperlichen und psychischen Belastung durch kratzige Decken und kleine Zellen tatsächlich mit Hausarrest um die Strafe herumlaviert wird.

Aber ich muss sagen, Hut ab vor dem zuständigen Richter. Anscheinend hat es sich selbst einem konservativen Kuttenträger im erzkapitalistischen Amerika erschlossen, dass ein Hausarrest mit Fußfessel in einer Luxuswohnung von geschätzten 550qm samt Butler, Scampi, Schwimmingpool und allem Komfort (und zurück) nicht wirklich einer Bestrafung von Miss Hilton gleich kommt. Zumal sie aus dem Gefängnis wegen kleinerer Unpässlichkeiten quasi rausgeworfen wurde, während man in den Staaten sonst eher dazu tendiert, selbst einen schwerstkranken Murmeldieb anstelle einer Verlegung aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus – oder gar einer Begnadigung aus Geringfügigkeit – lieber bis zu seinem Ableben noch im Knastkrankenbett zu behalten. Da kommt es dann in der Bevölkerung nicht ganz so gut an, wenn eine reiche Tussi wegen einer Allergie gegen Wolldecken und Heulkrampf gleich als psychisch krank gen Heimat entlassen wird. So haben sich denn ja auch gleich alle üblichen Verdächtigen zu Wort gemeldet und die schwarzen Reverends haben schon wieder lauthals etwas von Frevel in ihre unterdrückte Gemeinde hinausgebrüllt.

Klar, ob man eine Paris Hilton nun unbedingt in Handschellen medienwirksam wieder dem Richter vorführen muss ist eine andere Frage. Aber wenn ich nun jeden Tag mehr oder weniger freiwillig sehen, lesen oder hören muss, was Miss Hilton so alles belastet, dann haben die Handschellen dem Realitätssinn der Hotelerbin auch nicht gerade auf die Sprünge geholfen.

Erst heute waren sich selbst die deutschen Medien nicht zu schade der Welt mitzuteilen, dass Paris Hilton nun in den Hungerstreik getreten sein soll. Sie komme einfach nicht damit zurecht, dass es im Gefängnis labberige Brötchen mit Fleischwurst gäbe, die nicht mal mit einem Salatblatt oder einer Tomate belegt wären. Empört fügt die Sprecherin im Fernsehen noch an, Paris bekomme die gleichen Brötchen, wie alle Mithäftlinge. Unverständlich, dass man in Hiltons Brötchen nicht zumindest das Emblem von Dolce und Gabana einbrennt und eine Scheibe Blattgold beilegt. Auf jeden Fall konnte man Paris vor dem Knastaufenthalt mit drei Teelichtern röntgen – nun soll schon eines reichen. Willkommen im Leben! Was glaubt die eigentlich wo sie ist? Fünf-Sterne-Köche sind im Bau eher selten anzutreffen. Und wenn doch, haben sie wahrscheinlich anstelle eines Kalbsbries einen ihrer Gäste geschmackvoll zubereitet.

Gott sei Dank soll der Spuk bereits in neun Tagen und damit nach etwa der Hälfte der Zeit, vorbei sein. Die meiste Zeit davon hat sie im Gefängniskrankenhaus zugebracht. Obwohl ich persönlich der Meinung bin, dass dieses von Paris veranstaltete Medienspektakel um ihre vermeintlich so harten Haftbedingungen keinesfalls als gute Führung zu sehen ist. Ihrem Realitässinn und wohl auch ihrem Unrechtsbewusstsein in Bezug auf das fahren ohne Fahrerlaubnis wäre die volle Strafe von 46 Tagen sicherlich zuträglich gewesen.

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Der Pascha ist raus!

Gestern ist es dann passiert, beim Highlight der deutschen Fernsehunterhaltung 2007. Eddie ist raus. Ihm, dem Container-Leader, wurde symbolisch die Rübe runtergeschlagen. Mit 3:4 Stimmen unterlag der durchtrainierte Stripkönig bei der Nominierung und wurde sodann mit Fesseln hinter einem Pferd aus der Manege gezogen. Danke schön, wiederseh’n!

Ach! Ihr habt gar keine Ahnung wovon ich rede? Von BB natürlich. BB, auch Big Brother genannt, Staffel 7 des Formats auf RTL 2 und offensichtlich mittlerweile konkurenzfähige Fernsehunterhaltung zur Prime-Time am Montag Abend. Moderiert vom immer grinsenden Ex-BBler Jürgen (der Slatkokumpel aus Staffel1) und einer dieser zahlreichen dickbusigen, weitgehend talentfreien Blondinen, die es bei RTL offenbar so zahlreich gibt, dass es immer wieder Neue gint, die sich für den Mist hergeben. Das alles, obwohl es sich für den Zuschauer nicht lohnt, sich den Namen besagter Dame zu merken.
Na ja, wie dem auch sei, die siebte Staffel nähert sich jedenfalls dem Ende. Im Haus verblieben nun folgende Pflegefälle (auch Kandidaten genannt):

Eddie, selbst ernannter Chef im Haus, Alphatier, Muskelprotz, allen überlegen, Dauer-”Goldener-Bewohner”, Meinungsmacher, “Meinung-Sager” und nach eigener Aussage der einzig ehrliche Mensch im Haus. Hielt sich für den Favoriten und alle anderen für etwas dümmlich. Die anderen sahen das umgekehrt.
Knubbel
, Spitzname auf zwei Beinen, Hausältester, verklemmt, Jammerlappen, verknallt in Katrin, deren Bild er vor dem schlafen immer ableckt. Das ärmste Würstchen im Haus, welches bei den Zuschauern offenbar einen solchen Mitleidsbonus hat, dass er beste Chancen hat, die Staffel zu gewinnen.
Katrin, ständig angezickte Blondine, von Knubbel extrem genervt, verklemmt und immer irgendwie mies drauf. Single, was bei der Art auch kein Wunder, sondern eher der Segen für die Männerwelt ist. Eine Figur wie Kate Moss nach einer zweiwöchigen Schnitzelkur, lange blonde Haare und “Meinung-Sager” Nummer zwei im Haus.
Leon, langhaariger Homo, Publikumsliebling, Cheerleader, Tittenkumpel von Janine, hart wie Wackelpudding, Schleimer, Feigling und der unehrlichste Nominierer der Runde. Lästerschwester Nummer 1
Janine, Ex-Dickbäuchlein, eine Mimik wie Liza Minelli mit Darmverschluß. Keine besonderen Talente, hinterfotzig. Liegt meist faul rum, hält sich aus allen Gruppenaufgaben so weit wie möglich raus, weil sie die Energie für ihre Lästerorgien mit Leon benötigt. Lästerschwester Nummer 2
Sonja, kurz “Püppi”, Blondchen aus Bayern, welches man erst richtig wahr nimmt, seit ihre Hausliebe Basti letzte Woche unberechtigter weise aus dem RTL-Knast frei kam. Will noch erwachsen werden, redet aber schon wie eine Große. Zu guter letzt bleibt noch
Kalle, der eigentlich Michael heisst, und sich im Haus mit seiner Flennerei und seiner soften Art schon so zum Affen gemacht hat, dass er trotz seines durchtrainierten Körpers wohl auf keinem Bau der Welt mehr ernst genommen wird. Dennoch wohl ehrlichste Haut im Haus.

Gestern wurde von den Zuschauern nominiert und von den Bewohnern gekickt. Kenner der Szene erkennen sofort die Dramatik: Andersrum als sonst!
Die Bewohner entschieden also, dass Eddie das Haus zu verlassen habe. Jener Eddie, der uns über Wochen hinweg mit seiner Art, seinen kleinen Intrigen, mit denen er die Nominierungen steuerte, seiner manipulativen Art und seiner Rhetorik (?) derart beeindruckt hat und das Geschehen im Haus beeinflusste. Dumm nur, dass die Zuschauer vieles anders sahen als er und sich sein “Hofstaat” in den letzten Wochen immer mehr dezimierte, ohne dass es dem selbst ernannten Schlauberger der Staffel überhaupt aufgefallen wäre. So war er denn auch echt schockiert, als er gestern unter dem ewigen lächeln Jürgens das Haus verlassen musste. Kaum war der Star geboren, kam er sozusagen schon als Sternschnuppe herunter.

Das letzte Highlight der Fernsehunterhaltung endet bald. Aber es wird die Frage bleiben, wieso sich erwachsene Menschen (mich aus journalistischen Gründen eingeschlossen), Tag für Tag eine Stunde ihres Lebens stehlen lassen, um diesen weitgehend gescheiterten Existenzen bei ihrer alltäglichen Langeweile zuzusehen. Obwohl…
… Voyeurismus hat Konjunktur.

Bin gespannt auf Staffel 8!

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