Das Modell und der Freak
Bisher habe ich immer gedacht, der Tiefpunkt der deutschen Fernsehunterhaltung befände sich irgendwo zwischen Dschungelcamp und Angelika Kallwass. Aber ich wurde eines besseren belehrt. Denn es gibt eine neue Sendung im deutschen Fernsehen, die toppt alles, was meine Kummer gewohnten Augen bisher bereits gesehen haben.
In PRO 7 läuft am Donnerstag Abend ab 22.30 Uhr die Sendung Das Modell und der Freak Es handelt sich allerdings nicht, wie der geneigte Betrachter denken könnte, um eine Neuverfilmung von die Schöne und das Biest, sondern um eine Pseudoreportage über vermeintlich hilfsbedürftige Zeitgenossen. Die Freaks sind Männer, vorzugsweise von der ganz verklemmten Sorte, die sich durch besonders markante Verunstaltungen im Aussehen, strubbeligste Gesichtsbehaarung, schwarze Augenschminke oder von mir aus auch extremsten Körpergeruch bei der holden Weiblichkeit disqualifizieren. Es sind Männer dabei, die neben all diesen tollen Attributen allein durch ihr Hobby quasi reine Frauenmagneten sind. Beispielsweise war der eine – na nennen wir es mal – “Musiker“, der seine Lieder aber leider mit Hingabe ins Mikrofon rülpste. Die sind so schräg, Ozzi Osbourne würde als Kandidat wohl auch nach dem Konsum von 2 Flaschen Whiskey nicht in Frage kommen…
…wegen zu guten Aussehens und zu normalen Verhaltens!
Nun kommt der Clou: Zwei angebliche Topmodells, die leider kaum jemand kennt, verhelfen diesen so genannten Freaks zu neuem Aussehen, besserer Kleidung, weniger Mundgeruch und Flirterfahrung durch Rollenspiel. Eines dieser Modells, Monika Ivancan, ist die Freundin von Oliver Pocher, hat also quasi per Beziehung schon viel Erfahrung mit der Bändigung von durchgeknallten, nicht wirklich normalen Männern. So dürfen die Mädels denn auch oft genug ihren nicht vorhandenen Hüftspeck in verschiedensten Bikinis präsentieren und ansonsten allerlei sinnentleerte Worthülsen in die Kamera blubbern. Auf Textinhalt und Sinn kommt es bei der Sendung nur wahrlich nicht an.
Die ganze Show ist wohl eher unter “schlechter Witz“ einzuordnen. Da werden die Männer von den Schönheiten in engste Badehosen gesteckt, damit sie in Bademoden – Photoshootings neben weiblichen, bauchnabelgepiercten Astralkörpern posieren. Schliesslich sollen sie sich mit ihren untrainierten Schwabbelköpern erst mal so richtig Scheiße fühlen. Danach werden sie beispielsweise zu Tabledance oder zum Dessous kaufen geschleppt, angeblich um sie von der Scheu vor Frauen zu befreien. Im Grunde genommen werden die armen Würstchen also ständig von vollbusigen (zumindest optischen) Traumfrauen, die wahrscheinlich im wahren Leben diesen Typ nicht mal mit der Zange anfassen würden, so richtig geil gemacht. Wenn die Latte wieder abgeklungen ist, dürfen die Bikinipflanzen, die Stripperin oder die Modells dann über die armen Lichter noch mal richtig vom Leder ziehen. Mit anderen Worten, man macht die armen Jungs öffentlich mal so richtig zum Volldeppen! Das ganze wird als Lerneffekt, Tipp fürs Leben und Läuterung gegenüber dem schwachen Geschlecht verpackt.
Am Ende kommt ggfs. (natürlich) noch die typische Aschenpuddelnummer. Beide Freaks werden neu frisiert, eingekleidet und zum letzten Flirthärtetest (der natürlich toll läuft) geschickt, um dann als wertvolle, top gestylte, gut aussehende Phillip von Senftleben-Klone wieder auf die Gesellschaft losgelassen zu werden.
Mal abgesehen davon, dass es ziemlich unterirdisch ist, wenn Menschen während einer gesamten Stunde ausnahmslos als Freaks bezeichnet werden, ist diese Sendung wohl eine der dümmsten Formate, die es je zu sehen gab. Da kommen selbst die Teletubbies intellektueller daher. Ich finde es erstaunlich, dass im deutschen Fernsehen immer gerade dann, wenn man glaubt es gehe nicht mehr schlimmer, irgendein Privatsender doch noch eine tiefere Unterhaltungsebene ausfindig macht.
In diesem Sinne…
Geht am Donnerstag früh schlafen!







