Beziehung durchs Handy
Seite 2, Danielas neuer Freund...

Eben jener Ralf war es, der mich zum grübeln brachte. Ela, wir waren beizeiten zur Kurzform über gegangen, simste mir eines Abends er wolle sich die Sache mit Ihr und Ihm noch mal durch den Kopf gehen lassen. Beide wollten einen Ausflug machen und da sollte sich das Ganze entscheiden. Nun gut, ich wollte nichts dazu sagen und tat es zunächst auch nicht. Aber im Laufe der Tickerei rutschte mir dann doch ein "wenn er erst überlegen muss, dann passt da was nicht!" über die Tasten. Aber Ela wollte davon logischer Weise nichts wissen und schwebte offenbar schon halb auf Wolke sieben. Am selben Abend bekam ich dann erneut eine SMS, worin sie mir freudestrahlend (zumindest mnahm ich das an, sehen konnte ich es ja nicht) eröffnete, Ralf hätte sich entschieden. Für sie. "Herzlichen Glückwunsch", dachte ich bei mir und schrieb auch etwas in dieser Art zurück.

In den folgenden Tagen bekam ich immer wieder via SMS entweder von Mirka oder Daniela einige neue Dinge mit. Ralf war mittlerweile bei Ela und deren Eltern eingezogen. Was zwar auf den ersten Blick fix ging, aber sie schilderte mir glaubhaft, wieso dies so sein musste. Der Gute war arbeitslos, aber sein Stolz verbot ihm das Sozialamt und so hatte er sich mit samt Hund und Playstation bei Danielas Familie einquartiert. Ela war zufrieden, es hörte sich auch alles super an und sie wollte es gern jemandem erzählen. Sie hatte ihrem neuen Freund sogleich ein Handy geschenkt, damit er sich auch mal von anderen Orten bei Ihr melden konnte.

In dieser Zeit begannen sie und ich auch gelegentlich mal miteinander zu telefonieren. So lernte ich am Telefon auch noch Steffi, ihre kleine Schwester kennen. Diese war von Ralf nicht so begeistert, aber ich tat es als Ärger über den "Neuen" ab. Allerdings bekam ich schon mit, dass Ralf von leiser Kommunikation nicht viel hielt. Wenn ihm was gegen den Strich ging - und das war selbst zu dieser Zeit schon ab und an der Fall - dann wurde er extrem laut und ungehalten.

Eines Tages, es war Freitag Abend, tickerte mit Ela mal wieder und verabschiedete sich für den Rest der Nacht und den kompletten Samstag. Sie plante mit Ralf, Mirka und deren neuen Freund bereits in der Nacht nach Wilhelmshafen fahren. Daher wollte sie sich erst am Sonntag mal wieder melden. "Macht mal", hab ich gedacht und hatte plötzlich ein Problem, meinen Tag mal ohne Handy, Mirka oder Ela über die Runden zu bringen.

Nun bestand mein Leben damals nicht nur aus Handy und SMS. Ich war zu dieser Zeit viel mit Freunden oder dem Billiard- Club auf Tour, versackte Samstags oft bis vier, fünf Uhr im Stadtpalais, hatte also massenhaft "reale" Kontakte. Ich war jeden Dienstag und Donnerstag beim Billiardtraining und spielte jeden Freitag mit Arbeitskollegen im Internet oder Netzwerk "Age of Empires II". Wir waren in dem Spiel echte Profis. Ich traf mich regelmässig mit meiner besten Freundin Conny und mein Kumpel Stephan kam fast jedes Wochenende aus Essen zu Besuch, aber das Tickern war schon ein fester Bestandteil des Tages geworden. Deshalb fiel mir der Tag ohne die beiden Mädels sehr schwer.

Am Sonntag Morgen bekam ich dann von Ela die nächste SMS. Ich konnte schon aus der ersten deuten, der Ausflug war nicht so doll gewesen und sie war kaputt. Sie hatte beide Wege fahren müssen, obwohl sie als einzige noch bis in den Freitag Abend hinein gearbeitet hatte. Der Tag selbst musste relativ langweilig gewesen sein, denn erstens waren sie viel zu früh angekommen und zweitens fehlte allen das Geld für grössere Aktivitäten. Mirka und Ela waren mit ihren gerade mal 20 Lenzen beide noch in der Ausbildung und verdienten natürlich ensprechend wenig.

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