Beziehung durchs Handy
Seite 1, der Einkauf und die Sucht...

Ich wollte nie ein Handy haben. Ich empfand diese neue Mode damals als überflüssigen Blödsinn für Leute mit übersteigertem Geltungsbedürfnis. Mein Vater überzeugte mich kurz vor Weihnachten 1997, dass in der heutigen Zeit ein Mobiltelefon doch einfach dazu gehört und so habe ich mir dann kurzentschlossen doch eines zugelegt. Diese Investition sollte sich später noch lohnen.

Viele meiner damaligen Freunde hatten ebenfalls eines dieser Dinger und so begann nach kurzer Zeit eine wilde Simserei mit allen möglichen Bekannten. Das hatte auch seine Vorteile, denn so gelang es mir relativ unkompliziert Kontakt mit meinem kleinen, aber feinen Freundeskreis in Paderborn, genauer Niederntudorf zu halten. Mit allen im allgemeinen, mit Mirka im speziellen, schickte ich etliche SMS durch die Luft in jenes Dörfchen. Es verging kein Tag, an dem ich mir mit Mirka nicht zumindest guten Morgen und gute Nacht wünschte und mir das eine oder andere ihrer kleinen und grösseren Problemchen per SMS anhören konnte. Ich erfuhr vieles, unter anderem auch von dem Mißgeschick ihrer Freundin, sich unter Solarium und Freibad derart verbrannt zu haben, dass sie eine Zeit lang von ihr nur noch Krebs genannt wurde. Das geticker ging so weit, meine Eltern waren schon vollkommen genervt. Wenn ich zu Besuch war, dann hatte ich zumeist auch bald das Handy in der Hand, weil der durchdringende Piepton, natürlich extra laut, man will ja nichts verpassen, eine neue Nachricht ankündigte. Beim sommerlichen Grillen war mit mir zeitweise kein Gespräch mehr möglich. Aber sie hatten es ja so gewollt.

Bei einem jener Grillabende erreichte mich plötzlich eine SMS, deren Nummer ich überhaupt nicht zuordnen konnte. Erstaunt stellte ich fest, dass die Nachricht von Mirka stammte. Ihr Akku war leer und so hatte sie sich mal just das Handy ihrer besten Freundin ausgeliehen. Da ich zu der Zeit schneller tickern als reden konnte, wollte ich natürlich gern wissen, wer denn wohl diese beste Freundin wäre. So stellte sich mir denn auch prompt via Kurznachricht eine gewisse Daniela vor. Sie sei der besagte Krebs und wolle nur dafür sorgen, dass Mirka sich mal eben für den Rest des Tages abmeldet.

Interessanter Weise entwicklte sich aus dieser harmlosen SMS ein relativ langes SMS -"Gespräch", welches aber nach etwa einer Stunde durch die resolute Beschwerde meiner verärgerten Mutter ein abrupptes Ende fand. Nach diversen Vorwürfen und der Empfehlung, so bald wie möglich eine Suchtberatung bezüglich meiner Handygewohnheiten aufzusuchen, verabschiedete ich mich von Krebs Daniela und widmete mich den Rest des Abends meinen Eltern. Erst in meiner eigenen Wohnung und kurz vor dem schlafen gehen, versandte ich noch flux zwei "gute Nacht" an Mirka und ihre beste Freundin.

So entwickelte sich bald ein reger Sims - Kontakt. Es wurde mit der Zeit manchmal ganz schön stressig. Tickern mit zwei Frauen gleichzeitig, die ab und an sogar noch nebeneinander auf dem Sofa sassen und sich miteinander unterhalten konnten. Aber es war immer spassig. Ich erfuhr so Einiges und wurde auch oftmals als Ratgeber für Mirkas Beziehungsproblemchen eingespannt. Ebenso wusste ich von Danielas Bemühungen um einen gewissen Ralf...

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