Ich stelle euch hier den Bielefelder Fußballverein DSC Arminia Bielefeld vor! Hundert Jahre Vereinsgeschichte in voller Länge. Wenn ihr keine Lust zum lesen habt, hier findet ihr die Kurzfassung. Gegründet im Jahre 1905, damals noch als 1. Fußball Club Bielefeld, von 14 fußballinteressierten Bielefeldern, werden als Vereinsfarben schwarz/weiß/blau festgelegt. Der Spielort sollte der Kesselbrink sein. Der 1. Weltkrieg wirft auch auf die Bielefelder Sportlandschaft seine negativen Schatten. Der BFC Arminia und die Bielefelder Turngemeinschaft sind gezwungen zu fusionieren. Der Spielbetrieb wird eingestellt. Das erste Punktspiel wird erst 1919 wieder ausgetragen. Die Fusion der beiden Vereine wird im Jahr 1921 rückgängig gemacht. Der Bielefelder Fußball Club wird in den folgenden sieben Jahren zu einer Art Abbo-Westfalenmeister und wird im Jahr 1922 sogar Westdeutscher Meister, was zur damaligen Zeit wiederum zur Teilnahme an der Endrunde der deutschen Meisterschaft berechtigte. Diesen Titel gewann der Verein allerdings am grünen Tisch, da einige Spieler des eigentlichen Titelgewinners Kölner BC ohne gültige Spielerlaubnis aufgelaufen waren. Leider verlor man gleich im Spiel gegen Wacker München mit 5:0 und aus war es mit der Meisterschaft. 1926: Der Verein zieht auf die ALM um! Der traditionelle Spielort des Sportclubs der Ostwestfalen heisst zunächst Melanchton- Alm. Eine Tradition und ein einmaliger Name sind geboren. Schon ein Jahr später wird der Verein von BFC in DeutscherSportClub, also DSC Arminia Bielefeld umbenannt. Arminia - nicht etwa Armenia, wie man oft liest - dieser Name orientiert sich am römischen Namen Arminius, von Herrman dem Cherusker, welcher einst die überlegenen römischen Legionen um Varus im Teutoburger Wald bezwang. Der nächste Titel liess nach diese Namensänderung allerdings sechs Jahre auf sich warten. Die Gauliga wurde gegründet und der frischgebackene Westfalenpokal- Sieger Arminia Bielefeld qualifizierte sich für die höchste deutsche Spielklasse. Leider ein viel zu grosses Paar Schuhe für den ostwestfälischen Klub, der sofort und sang und klanglos mit nur 6 erreichten Punkten in die Bezirksklasse Ostwelstfalen abstieg. Dort verblieb man vier Jahre. Erst 1938 gelang dem DSC nach einer überragenden Saison mit nur einer Niederlage - ausgerechnet gegen Nachbar Gütersloh - der erneute Aufstieg in die Gauliga. Trotz des Krieges konnte die Klasse bis ins Jahr 1944 gehalten werden. Allerdings zwangen die im Krieg zahlreich gefallenen Spieler die beiden Stadtrivalen VFB 03 Bielefeld und den DSC am 25. Juni 1944 zu einer Fusion. Der Spielermangel war nicht mehr zu überbrücken und der kontinuierliche Verlust von Mitgliedern liess einen Spielbetrieb bald nicht mehr zu. Am 3. März 1945 trennten sich der VFB 03 und der DSC Arminia wieder und das zum 98. Mal ausgetragene Derby in der Stadt endete im Heeper Stadion 1:1. Eine Austragung auf der Alm war nicht möglich gewesen, daVereinsvermögen und Gelände von der Militärpolizei beschlagnahmt, bzw. gesperrt worden war. In der Meisterschaft war man erfolglos und so stieg der DSC am Saisonende wieder in die Bezirkliga ab. Erst 1949 stieg der Verein nach einer überragenden Saison mit nur drei Verlustpunkten und sage und schreibe 112:29 Toren in die mittlerweile gegründete Verbandsliga auf. Mit frischem Schwung marschierte der Club der Ostwestfalen ebenfalls durch die Landesliga sofort in die damalige, höchste deutsche Spielklasse, die Oberliga West. Wie auch heute noch erwies sich die erste Liga für die Blauen als zu stark und es folgte der erneute Abstieg im Jahr 1950. Vier Jahre später war der Höhenflug entgültig vorbei und der Abstieg in die Landesliga nicht aufzuhalten. Es wurde lange still in Ostwestfalen. Sechs Jahre lang dümpelte die Arminia in der dritten Liga herum, bis endlich 1962 der Aufstieg in die 2. Oberliga West gelang. Der Titel Westfalenmeister war ein Zubrot und mit dem Aufstieg hatte Bielefeld nun auch eine klare Nummer eins im Sportclub der Ostwestfalen. Der VFB 03 wurde in der dritten Liga zurück gelassen. Im Profifußball war man schnell angekommen. Durch die neue Gründung der Bundesliga war der DSC gezwungen, mindestens auf Platz acht zu landen, um sich für die neue zweite Liga, Regionalliga genannt, zu qualifizieren. Mit einem Trainerwechsel und damit verbundenen acht Siegen in neun Spielen wurde die Qualifikation knapp geschafft. Hier trennten sich entgültig die Wege von DSC und VFB. Gegen Alemannia Aachen gewinnt Arminia Bielefeld den eher unbedeutenden Westdeutschen Fußballpokal im Jahr 1966. Ab da ging es allerdings für den Verein langsam bergauf. Vier Jahre später, im Jahr 1970, erreichten die Blauen als Tabellenzweiter hinter den punktgleichen Bochumern die Relegation zur ersten Bundesliga. Die Gegner waren Tennis Borussia Berlin, dem VfL Osnabrück, dem Karlsruher SC und der SV Alsenborn. Nur Platz eins dieser Relegationsrunde berechtigte zum Aufstieg. Am letzten Spieltag war man einen Punkt hinter dem KSC, aber mit einem Spiel weniger auf Platz zwei. Am 27.7.1970 feierten 55000 begeisterte Bielefelder den 2:0 Erfolg über Berlin und damit ersten Aufstieg ihrer Blauen in die erste Fußball Bundesliga! Es begann das schwärzeste Kapitel der Bielefelder Bundesligageschichte. Sportlich am Saisonende 14., wurde vom Präsidenten der Offenbacher Kickers ein Stein ins Rollen gebracht, welcher den Bundesligaskandal aufdeckte. Neben Schalke 04, was heute gern vergessen wird, wurde klar, Arminia Bielefeld steckte bis zu Hals mit drin, im Skandal um verschobene Spiele und bestochene Spieler. Vom DFB mit drakonischen Starfen belegt, traf es die Arminia am härstesten und die Mannschft wurde 1972 aus der Wertung genommen und musste in die Regionalliga absteigen. Eine Abwanderungswelle aus Geldnot war die Folge. Eine erneute Restrukturierung der unteren Ligen brachte eine Abschaffung der Regionalliga mit sich. Die zweite Bundesliga wurde in die Gruppen Nord und Süd aufgeteilt. Durch einen Qualifizierungsschlüssel über 5 Jahre erreichte Bielefeld problemlos die 2. Liga. In der folgenden Saison startete man miserabel, belegte aber am Ende den undankbaren vierten Platz. Damit war der Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasst. Im darauf folgenden Jahr 1976 übernahm Karl Heinz "Kalli" Feldkamp den DSC. Nach einer durchwachsenen Saison wurden die Blauen zweiter und erreichten damit die Relegation gegen den TSV 1860 München, Tabellenzweiter der Gruppe Süd und haushoher Favorit. Am Pfingstsonntag des Jahres 1977 wurden die 60er auf der, mit 30000 Zuschauern ausverkauften Bielefelder Alm, mit 4:0 abgefertigt und heim geschickt. Das Rückspiel in München verlief komplett anders. Nach 54 Minuten führte München mit 4:0 und am Ende war das Ergebnis egalisiert. Nach dem damaligen Modus stand also ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz an. Im Frankfurter Waldstadion unterlag der durch eine rote Karte dezimierte DSC mit 0:2 und verpasste den Aufstieg. Dieser Patzer wurde 1978 korrigiert. Trotz des verkündeten Abschieds von Kalli Feldkamp behauptete die Arminia die Tabellenführung am letzten Spieltag durch einen 2:0- Sieg bei Fortuna Köln. Für die 10 000 mitgereisten Bielefelder Fans kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Der Club der Ostwestfalen war zurück in der ersten Bundesliga! Für Trainer Beljin war es eine kurze Saison. Nachdem die Blauen im Laufe der saison immer mehr abbauten, wurde der nachfolger feldkampos nach nicht mal einem Jahr entlassen und der junge Otto Rehagel wurde als Nachfolger zur Alm geholt. Dieser wurde nach der 0:12 Niederlage bei Borussia Dortmund zunächst mal in Otto "Torhagel" umbenannt. Doch nach einer 10wöchigen(!!!) Winterpause - ein Jahrhundertwinter ruinierte den Spielplan - gelang ein historischer Sieg. Mit 0:4 gewann der DSC Arminia Bielefeld beim großen FC Bayern München. Leider war es einer von nur drei Siegen in der Rückrunde und die Blauen stiegen im Jahr 1979 als Tabellensechzehnter wieder in die 2. Liga ab. Torwart Uli Stein meinte damals, dass der Kantersieg bei den Bayern der Grund für den Abstieg gewesen sei, denn die Mannschaft kehrte danach nicht mehr auf den Boden der Tatsachen zurück. Die zweite Liga währte nur ein Jahr. Die haushohe Überlegenheit in der zweiten Liga des Jahres 1979/80 spiegelt sich deutlich in diesen Zahlen wieder: Der Vorsprung in der Tabelle auf Platz 2 betrug 12 Punkte, man blieb 28 Spiele in Folge ungeschlagen, gewann 12 Spiele in Folge, die Offensivabteilung erreichte 120 Tore und die Defensive ließ nur 31 Gegentore zu. Der in dieser Saison verwöhnte Bielefelder Anhang beschwerte sich nun sogar nach 4:0- Siegen über langweilige Spiele. Arminia stieg souverän mit 66:10 Punkten zum dritten Mal auf. Nach schlechtem Start, mit nur einem Punkt aus sechs Spielen, wollte der Vorstand Trainer Tippenhauer entlassen. Fanproteste zwangen den Vorstand zur Trendwende. Tippenhauer ging aus gesundheitlichen Gründen im Dezember 1981 selbst. Er hatte nur 7 Punkte geholt. Neuer Trainer wurde Horst Franz. Im Spiel gegen den direkten Konkurenten im Abstiegskampf, wieder einmal 1860 München, gelang dem DSC das Bravourstück, aus einem 1:2 Rückstand durch Treffer von Schröder und Eilenfeld in der 89. und 90. Minute noch einen 3:2 Sieg zu machen. Zwei weitere Siege, gegen Bochum und Duisburg brachten den Klassenerhalt. 1981 - das böseste Foul in der Geschichte der Bundesliga!!! Es geschah am 14. August 1981. Der DSC gastierte im Bremer Weserstadion beim SV Werder. Der Bremer Norbert Siegmann holte den Bielefelder Ewald Lienen von den Beinen, da dieser zu entwischen drohte. Klingt alles nicht so dramatisch, da dies in jedem Spiel ein paar mal vorkommt. Jedoch war diesmal alles anders. Lienen blieb nicht am Boden liegen sondern stand auf und schimpfte wild gestikulierend in Richtung Bremer Trainer Otto Rehhagel. Das Ausmaß dieses Fouls wurde auch sehr schnell klar. Lienens Oberschenkel war auf einer Länge von 30 cm komplett aufgeschlitzt und das Innenleben des Beins kam zu vorscheinen. Ein solches Foul hatte Fußballdeutschland noch nicht gesehen und es trat eine Welle der Empörung hervor. Lienen beschuldigte Rehhagel, dass dieser dem Bremer Siegmann zu diesem Foul angestiftet hatte und blieb auch Tage später noch bei dieser Version. Rehhagel, der schon 1975 als Offenbacher Trainer durch eine solche Aktion vom DFB für 3 Monate gesperrt wurde, stritt logischischer Weise alles ab und drohte Lienen sogar mit einer Klage. Der Übeltäter Siegmann behauptete nach dem Spiel sogar noch, dass dies ja gar kein Foul gewesen sei. Rehhagel wurde vom DFB übrigens freigesprochen! Sportlich hielt der DSC trotz Sturmproblem die Klasse. Doch wie üblich in Bielefeld trat nun hinter den Kulissen jeder gegen jeden. Der Vertrag mit Trainer Franz wurde nicht verlängert. Manager Müller verpflichtete Horst Köppel zur neuen Saison. Fanproteste und Medienchaos waren die Folge. Ein gutes Image wurde durch einen schlechten Vorstand nachhaltig zerstört.Müller wollte auch den Spielern ans Leder, reduzierte Verträge ohne Rücksprache und brachte so Torwart Kneip - der "Lange" war Publikumsliebling - dazu, dem DSC den Dienst zu verweigern. Sein Nachfolger, Olli Isoaho - kurz "Pannen-Olli", erwies sich zwar als erstklassiges Torwartproblem( 10 Gegentore in einer Halbzeit sind noch heute einmalig), dennoch holte Trainer Köppel aus dieser Mannschaft das Maximum heraus. Am dritten Spieltag stand man als einzige Mannschaft ohne Punktverlust auf Platz eins. Mit Platz acht erreichte Arminia Bielefeld beste Plazierung der Vereinsgeschichte in der Bundesliga. Manager Müller fühle sich bestätigt. Dennoch kam die Quittung in der folgenden Saison. Nur 14 000 Zuschauer im Schnitt sahen die Spiele. Die einstmals treuen Fans verweigerten der Arminia die Gefolgschaft. Da konnte selbst die Rückkehr vom "langen" Kneib und Kalli Feldkamp nichts mehr bewegen. Mindereinnahmen von mehr als einer halben Million DM waren die Folge. Köppel ging am Ende der Saison und Roggensack kam als neuer Trainer. Im Jahr 1984 übernahm Hubert Neugebauer das Amt als Schatzmeister und deckte sehr schnell die von Vorgänger Sommer bescheinigte rosige finanzielle Zukunft als Lüge auf. Er setzte sich gegen den Willen des Vorstandes durch und informierte die Öffentlichkeit. Im März 1985 war klar: Der Verein war so gut wie Pleite! Es musste Geld in die Kassen um die Finanzlöcher zu stopfen. Das zehrte natürlich an der Substanz der Mannschaft und Arminia wurde vom Mittelfeldteam zum Abstiegskandidaten. Zu allem Überfluss überschüttete eine Verletztenwelle den Verein. Die Blauen dümpelten die ganze Hinrunde am Tabellenende herum. Die missliche Lage wurde im Heimspiel gegen Werder Bremen noch deutlicher. Die Stadt Bielefeld sperrte die Fanblöcke 3 und 4. Stürmisches Wetter hatte die Werbebanden vom oberen Ende der Blöcke auf die Tribüne stürzen lassen. Am Ende sprang Platz 16 heraus und das Team musste in die Relegation gegen Saarbrücken. Doch das war nicht das schlimmste. Aufgrund der Finanzlage war die Lizens für die zweite Liga in Gefahr. Planungen, das Geld der Spieler um ein Drittel zu kürzen führten zu heftigen Protesten. Es brodelte beim DSC , die Spiele gegen Saarbrücken, sportlich doch so wichtig, wurden nur Nebenschauplatz. Gerüchte, die Saarbrückener hätten kein Interesse am Aufstieg taten ein übriges. Die Blauen unterlagen auswärts mit 2:0. Das kümmerliche 1:1 im Rückspiel machten den Abstieg ins Unterhaus perfekt. In den Planungen des Vereins war dieser Abstieg nie berücksichtigt worden. Spielerverträge verloren ihre Gültigkeit und Arminia war nahezu pleite. Einzig Neugebauer kämpfte gegen die Windmühlen der Zahlungsunfähigkeit. Dr Müller wurde seines Amtes enthoben. Spieler wurden zu Spottpreisen an andere Vereine abgegeben und nur ein Gerüst von fünf Spielern blieb bei der Arminia. Sportlich und finanziell stand der Club nun mit dem Rücken zur Wand. Zur Winterpause lag man trotz aller Widrigkeiten auf Platz zwei der Tabelle. In der Rückrunde, dies war lange vorher bekannt, musste Trainer Roggensack zum Trainerlehrgang Richtung Köln. Nachfolger sollte ursprünglich Co-Trainer Krug werden, doch der wankelmütige Vorstand entschied sich wieder einmal anders. Erneut sollte Horst Franz die Geschicke leiten. Er kostete, finanziell privat sehr gut abgesichert, kein Gehalt!!! Das Präsidium um auf der Heyde, der 13 Jahre gute Arbeit geleistet hatte, trat zurück, das Chaos war mal wieder perfekt. So kam es, dass mit Ex-Bürgermeisterin Gisela Schwerdt erstmalig eine Frau an die Spitze eines Profivereins gewählt wurde. Das Randgeplänkel blieb nicht ohne sportliche Folgen und im Sommer 1986 war man wieder einmal nur vierter. In der folgenden Saison verschwand die Arminia schnell im Mittelfeld der Tabelle. Schlechte Leistungen, Theater im Umfeld und Fehler des Trainers Franz sorgten für ausbleibende Zuschauer. Personelle Engpässe führten am Ende sogar zu der bisher einmaligen Begebenheit, dass Wolfgang Kneib, eigentlich Torwart, plötzlich im Sturm als Feldspieler auflief. Auch im Umfeld brannte es lichterloh. Die ganze Saison war von Querelen durchzogen. Für den Spieler Ticic wurde beispielsweise eine Ablöse von 120 000 DM gezahlt obwohl er keine gekostet hätte. Der abgebende Verein bekam das Geld jedoch nie. Bis heute weiss niemand, wo dieses Geld damals geblieben ist. Nachdem der Vorstand auf der JHV die Vertrauensfrage stellte, gab es eine Schlammschlacht, die ihresgleichen suchte. Am Ende gewann die Opposition um Walkenhorst und standen erneut vor dem nichts. Gehälter wurden plötzlich von Privatleuten bezahlt und es gab kaum noch Sponsoren. Selbst die Brust blieb blank. Der DSC Arminia BIelefeld hatte kaum Einnahmen, aber sehr hohe Ausgaben. Ausserdem ging es sportlich immer weiter in den Abgrund. Die Mannschaft war zerstritten, gewann kaum noch und der Trainer wechselte im Rekordtempo. Auch Trainer Nummer sechs, Ernst Middendorp, konnte den Abstieg aus dem Profifußball nicht mehr verhindern, sollte aber Jahre später wieder eine wichtige Rolle bei der Arminia spielen. Schatzmeister Rainer Kempa fand immer neue Rechnungen in verschiedensten Unterlagen und sah nach 4,5 Millionen DM Schulden als Rettung nur noch einen Vergleich. Doch auch das Unternehmen stand eigentlich unter keinem guten Stern. Denn selbst die Hauptgläubiger müssten auf einen weit aus höheren Betrag ihrer Forderungen verzichten, als gesetzlich vorgeschrieben war. Doch es wurde geschafft. Die Gläubiger gaben nach und dem Antrag auf Vergleich wurde stattgegeben. Freundschaftsspiele gegen Bayern München und den 1. FC Köln halfen dabei, die verbliebene Restschuld von 600 000 DM rechtzeitig zu tilgen. Die letzten 100 000 DM wurden von einem Sponsorring aufgebracht, der bis heute nicht öffentlich bekannt ist. In der Oberliga Westfalen begann der DSC des Jahres 1989 mit einem kompletten Neuaufbau und jungen Spielern. Es sollten sieben harte Jahre folgen, in denen der Club der Ostwestfalen von der grossen, deutschen Fußballbühne vesrschwand und in den Amateurligen um den Aufstieg kämpfte. Es war im April 1994, als der neue Manager Rüdiger Lamm der staunenden Öffentlichkeit die Verpflichtung der vier gestandenen Bundesligaspieler Jörg Bode, Armin Eck, Thomas vonHeesen (alle HSV), sowie des Top-Mittelstürmers Fritz Walter vom VFB Stuttgart bekannt gab. ExProfi Hobday kam vom TUS Paderborn Neuhaus und die Arminia ging mit neuem Trainer Sidka als Topfavorit ins Rennen. Nach Querelen mit den gestandenen Spielern, insbesondere mit von Heesen, musste Sidka am 4. Spieltag bereits seinen Stuhl räumen. Für ihn kam der altbekannte Ernst Middendorp. Dieser holte noch vor der Winterpause mit Thomas Stratos einen weiteren bundesligaerfahrenen Ex-Arminen zurück. Ein kluger Schachzug, denn nach dem folgenden Trainingslager in Herzlake ging beim DSC Dank der überragenden Eck und Hobday die Post ab. Trotz Verletzungen der Stars von Heesen und Walter spielten die Blauen den Rest der Saison eine überragende Aufholjagt, an deren Ende endlich die Rückkehr in den Profifußball stand. Die Idee des Managers Lamm, mit einem Sponsorring viele kleine, anstelle eines grossen Geldgebers zu gewinnen, schien aufzugehen. Nach dem Aufstieg wurden zahlreiche namhafte Spieler als Neuzugänge gehandelt. Der Spruch von Arminia "Bielegeld" machte die Runde. Dennoch kam mit Uli Stein, damals bereits 40 Jahre alt, nur ein bekannter Spieler. Roland Maul (Osnabrück), Michael Molata (Jena), Eric Groeleken (Paderborn-Neuhaus), Ralf Voigt (Düsseldorf), Jörg Reeb (Saarbrücken) und Ivailo Andonov (Albacente), waren bis dato weitgehend unbekannte Gesichter. Dennoch starteten die Blauen als Geheimfavorit in die erste Zweitligasaison seit sieben Jahren. Zur Winterpause war man nach einigem Auf und Ab auch Dank eines herausragenden Spielführers Thomas von Heesen und des abgezockten Mittelstürmers Walter Tabellendritter. Zwar zeichnete sich in der Rückrunde schon ab, dass diese Mannschaft nicht bundesligareif sein würde, aber dennoch gelang dem DSC als drittem Verein in der Geschichte der Durchmarsch in die erste Bundesliga. Fritz Walter wurde mit 21 Toren Torschützenkönig. 25 000 begeisterte Fans feierten ihre Arminen auf dem Balkon des Rathauses und den Aufstieg mitten auf dem Leinewebermarkt. Die Bundesligasaison 1996 sollte schwer werden. Zwar gelang Rüdiger Lamm mit dem Transfer des 33jährigen Nationalstürmers und Europameisters Stefan Kuntz ein weiterer Transfercoup, doch der Torjäger des Vorjahres, Fritz Walter, verletzte sich so schwer, dass er nicht wieder zum Zuge kam. Mit Sonny Silooy (Ajax Amsterdam, 32 Jahre) und Rainer Rauffmann (Frankfurt, 29 Jahre) kamen nicht unbedingt Nachwuchshoffnungen auf die Alm. Giuseppe Reina (Wattenscheid), Heiko Gerber, Silvio Meißner (beide Chemnitz) und Josef Ivanovic (TuS Quelle - Bielefelder Kreisliga!) waren zwar jung aber nicht unbedingt große Hoffnungsträger. Einzig Rob Maas (26) von Feyenoord Rotterdam war das was Arminia brauchte. Die Blauen waren klarer Abstiegskandidat, zumal Gelder für den dringend benötigten Almumbau nicht der Investition in die Mannschaft zur Verfügung standen. Dennoch wurde der Etat gegenüber der Regionalliga um das zehnfache erhöht und mit Gerry Weber ein bekannter, gut zahlender Sponsor gewonnen. Allerdings blieben die Zuschauerzahlen aufgrund der überhöhten Eintrittspreise weit hinter den Erwartungen. Lamm hatte sich offensichtlich verkalkuliert. Sportlich wurde 0:1 zum Standardergebnis der Arminen. Das so etwas natürlich für Unruhe sorgte ist klar. Uli Stein legte sich mit Lamm an, da dieser versucht haben soll ihn nach Frankfurt zu verschachern um Andreas Köpke zu holen. Rauffmann wurde von Middendorp aus der Mannschaft geworfen. Lamm selber lebte einen Disput mit der BILD-Zeitung aus, die vermeldet der Manager wolle zu Werbezwecken den Alm-Rasen lila färben. Dieser Konflikt endete mit der Schlagzeile "Arminia ist von der Amateurliga in die Bundesliga durchmarschiert. Der Manager ist leider ein Amateur geblieben...". Sportlich verlor die Mannschaft an Substanz. Kuntz wirke nicht fit, Walter und von Heesen waren langzeitverletzt und Armin Eck fiel immer wieder mit kleineren Verletzungen aus. Lamm hatte sein Schicksal mit dem des Trainers verknüpft und dieser sortierte weiter munter die Sündenböcke aus. Mit den Verpflichtungen von Günther Schäfer, Uwe Fuchs und Mathias Breitkreuz, sowie der aufgehende Stern eines "Billy" Reina verhinderten so eben noch den Abstieg. Schon zu dieser Zeit zeichnete sich die maßlose Selbstüberschätzung und die Eigenmächtigkeit des Managers Rüdiger Lamm ab. Arminia war finanziell angeschlagen, Stadionumbau und hohe Gehälter wogen sehr schwer, der Verein hatte mal wieder Geldprobleme. Verdiente Spieler wie Uli Stein wurden vergrault. Die folgende Saison stand im Zeichen des Chaos. Als neuer Torwart wurde Georg Koch, von Lamm für ein teures Jahresgehalt von Rotterdamm verpflichtet. Sportlich war die Mannschaft absolut nicht einzuschätzen. Erstmalig in der Bundesligageschichte wurden von Trainer Middendorp die beiden Iraner Karim Bagheri und Ali Daei verpflichtet. Insbesondere Ali Daei erwies sich als absoluter Glücksgriff, hatte Torjägerqualitäten, fiel aber leider wegen seiner Länderspiele zu oft aus. Zweifel am Finanzgebaren den Managers wurden laut. Der selbsherrliche Lamm watschte in der Presse zunächst öffentlich eine junge Dame vom Lokalradio und später sogar den Hauptsponsor Gerry Weber verbal ab. Die Folgen waren klar. Wieder einmal Theater im Umfeld und ein vollkommen unnötiger Abstieg. Stefan Kuntz liebäugelte bereits längere Zeit mit dem VFL Bochum, Koch fiel durch Eskapaden mit Alkohol auf, für Ali Daei lag ein 5 Millionen- Angebot von den Bayern vor. Sportlich reichte es zu Achtungserfolgen, wie dem legendären 4:4 gegen Bayern München auf der Bielefelder Alm. Am Ende der Saison fand sich der DSC am Ende der Tabelle und damit in der zweiten Bundesliga wieder. Der Traum von dauerhaftem Erstligafußball war 1998 geplatzt. Mit Trainer Ernst Middendorp, obwohl im Umfeld wegen des sportlichen Mißerfolgs, vor allem aber wegen des Umgangs mit Presse und Öffentlichkeit heftigst umstritten, ging man in die Zweitligasaison 1998/99. Das Ziel lautete direkter Wiederaufstieg, obwohl immer klarer wurde, dass Rüdiger Lamm mit Geld gewirtschaftet hatte, welches nicht vorhanden oder vielleicht erst Jahre später zu erwarten war. Im Oktober zieht der Vorstand die Notbremse und entlässt den mittlerweile mehr als umstrittenen Manager. Er wurde durch Heribert Bruchhagen ersetzt, welcher sich enormen Geldschwierigkeiten gegenüber sah. Wie so oft in Bielefeld. Im August zuvor, bereits am 4. Spieltag, war der Trainer Ernst Middendorp aufgrund massiver Fanproteste im Stadion und in den Medien entlassen worden. Thomas von Heesen übernahm die Mannschaft. Aus der Not geboren entdeckte der neue Coach eine neue Taktik. Die Flügerzangen Bode/Rydlewicz und Maul/Böhme waren das Beste, was die zweite Liga zu bieten hatte. Zusammen mit "Pistolero" Bruno Labbadia, der in dieser Saison mit 28 Toren souveräner Torschützenkönig wurde, spielte der DSC gross auf. Erneut durften 25 000 Bielefelder ihre Arminia und den 5. Aufstieg ins Oberhaus feiern. Leider gibt Thomas von Heesen seinen Rücktritt vom Traineramt bekannt und wechselt als Sportdirektor nach Hannover. Der Nachfolger steht mit Hermann Gerland bereits länger fest. Trotz der Tatsache, dass Bruchhagen die finanziellen Probleme erstaunlich schnell in den Griff bekommt, erweist sich der Trainer Gerland als ausgesprochen schlechte Wahl. Er ändert die erfolgreiche vonHeesen-Taktik und sprengt die ehemals beste Flügelzange der Liga. Am Ende der Saison 1999/2000 stand mal wieder ein Abstieg. Dennoch wiederholte der Vorstand um Hans Herrmann Schwick seine alten Fehler und hielt entgegen aller Vernunft am Trainer Gerland fest. Die neue Saison in der zweiten Liga wurde erneut mit dem Ziel Aufstieg angegangen. Ein Ziel das schnell zu den Akten gelegt werden musste. Sportlich lief nichts zusammen, Herrmann Gerland hatte die Mannschaft zerissen, es gab weder Zusammenhalt noch Taktik. Nach Ausrastern des Torwarts Curko, der von den eigenen Fans nicht gemocht wurde und ihnen in einem Spiel den Mittelfinger zeigte, eskalierte die Stimmung rund um die Alm. Sowohl Torwart Curko, wie auch Trainer Gerland wurden kurz hintereinander gefeuert. Benno Möhlmann wurde von Greuther Fürth losgeeist und kam im Paket mit Torwart Mathias Hain zur Alm. Ein absoluter Glücksgriff für den DSC, auch weil Möhlmann in Arthur Wichniarek einen unter Gerland bereits als Fehleinkauf abgestempelten Torjäger wieder entdeckte. Dieser erzielte, obwohl erst nach einigen Spieltagen eingesetzt, noch 20 Tore und trug damit erheblichen Anteil am Klassenerhalt in der zweiten Liga - welcher erst am letzten Spieltag perfekt gemacht wurde. Benno Möhlmann holte ausschliesslich ablösefreie Spieler zur Alm. Mit Fatmir Vata, Ansgar Brinkmann oder Erhan Albayrak kamen nicht sehr bekannte, aber gute, gestandene Zweitligaspieler mit guter Technik zur Alm. Zwar bekam man gleich am ersten Spieltag des Jahres 2001 einen herben Dämpfer mit einer 0:1 Heimniederlage gegen Babelsberg, aber dennoch bekam die Arminia noch die Kurve. Das beste Spiel war sicherlich das 4:4 gegen die ungeschlagenen Hannoveraner. Obwohl die Blauen bereits 0:2 hinten lagen und ein klares Tor nicht anerkannt bekamen, führten sie bis zur 90. Minute mit 3:4. Erst ein vollkommen unberechtigter Elfmeter brachte das 4:4. Trotz Kreuzbandriss von Fatmir Vata stieg der Club der Ostwestfalen im Jahr 2002 erneut in die Bundesliga auf und war mit 6 Aufstiegen der Rekordaufsteiger in der Bundesliga. Das Jahr 2002/03 endete erneut im sportlichen Fiasko. Obwohl unnötig, und trotz 5 Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, sechs Spiele vor dem Ende, stieg der DSC erneut und ausgesprochen knapp aus der Bundesliga ab. Der Verein lag am Boden. Thomas von Heesen, mittlerweile Sportdirektor in Bielefeld, musste erneut massive Geldprobleme eingestehen. Entstanden durch Abstieg und Verbindlichkeiten in Millionenhöhe für Stadionausbau und Trainingsgelände. Die meisten Leistungsträger verliessen den Verein und der beliebte Traiener Benno Möhlmann hatte die undankbare Aufgabe, ohne Geld eine neue Mannschaft aufzubauen. Mit Owomoyela, Küntzel, Benschneider und Boakye kamen vollkommen unbekannte, talentierte Spieler zur Alm. Besonmders die Suche nach einem guten Stürmer, welche in Boakyes Verpflichtung endete, wurde zu absoluten Posse. Nahezu jeder Stürmer, der an den Ball treten konnte ohne sich zu verletzen wurde in Bielefeld gehandelt und wieder verworfen. Etliche "perfekte" Transfers platzten. Dennoch forderte der Vorstand, vornehmlich in den Personen von Präsident Schwick und Schatzmeister Roland Kentsch den dierkten Wiederaufstieg. Am 4. Spieltag haut Möhlmann via Medien zum ersten Mal kräftig auf dem Tisch und das bis dato unrealistische Saisonziel wird in Richtung "Platz sechs bis acht" korrigiert. Am 9. Spieltag wird der Etat über den Haufen geworfen und ein monatelanger Hickhack um Spielergehälter und Kürzungen sind die Folge. Zwei Spiele nach der Winterpause nimmt Trainer Möhlmann nach dauernder Demontage durch die Führungsebene in Person von Kentsch entnervt, aber freiwillig seinen Hut. Plötzlich stehen die Blauen mit Geldproblemen und obendrein ohne Trainer da. Nach zwei ungeschlagenen Spielen als Interimstrainer präsentiert Thomas von Heesen den Nachfolger Uwe Rapolder. Von da an ging es steil Berg auf. Rapolder änderte die Taktik und spielte fortan mit einer Viererkette und zwei echten Spitzen. Die Blauen gewannen ein Spiel nach dem anderen und verloren 14 mal in Folge nicht. Man gewann alle direkten Duelle mit den Verfolgern, deklassierte Aachen in der Schüco- Arena mit 3:0, schlug auswärts Cottbus und auch Mainz und war 5 Spieltage vor Schluss plötzlich Zweiter mit 4 Punkten Vorsprung in der Tabelle. Die Siegesserie wurde schliesslich erst in Aue gestoppt. Durch ein Tor, welches mit dem Schusspfiff in letzter Sekunde den 1:1 Endstand brachte. Dann kam der Tabellführer Nürnberg auf die Alm Im ausverkauften Spitzenspiel in der Schüco- Arena sahen die entsetzten Bielfelder Fans eine völlig verunsicherte Arminia, die den Nürnbergern völlig verdient mit 1:3 unterlagen. Dennoch blieb die Euphorie und auch die 4 Punkte Vorsprung auf Rang 4. Das Auswärtsspiel in Fürth wurde 2:1 gewonnen und so konnte der DSC am vorletzten Spieltag mit einem Sieg beim bereits abgestiegenen VFL Osnabrück alles klar machen. Über 8000 Bielefelder begleiteten die Mannschaft nach Osnabrück und noch einmal gut 5000 Zuschauer verfolgten die Übertragung des Spiels auf einer Grossbildleinwand vor dem Rathaus. Das Spiel endete 0:0, doch das Ergebnis war nicht mehr wichtig. Die Konkurenten aus Cottbus, Aachen und Mainz patzten und am Abend des 16.05.2004 stand fest, der Rekordaufsteiger Arminia Bielefeld war zum 7. Mal zurück in der ersten Fußballbundesliga! Wieder feierten über 20 000 Bielefelder ihre Fussballhelden und bejubelten die Mannschaft auf dem Rathausbalkon.... Da in Bielefeld auch für die Saison 2004/2005 wieder chronischer Geldmangel herrschte, gestaltete sich der Aufbau einer konkurrenzfähigen Mannschaft erneut schwierig. Geholt wurden Markus Schuler von Hannover 96 für die linke Abwehrseite, dazu Delron Buckley, Bankdrücker beim VFL Bochum für die linke Offensivseite, sowie Michael Fink, Nachwuchsspieler des VFB Stuttgart und Vanco Trajanov aus Mazedonien, als Ergänzungen für das defensive Mittelfeld. Im offensiven Mittelfeld holte man Clodian Duro von Rizepspor, Marijo Maric vom FC Kärnten und Claudiu Raducanu von Espaniol Barcelona kamen als Verstärkung für den Sturm. Für letzteren verzichtete Trainer Rapolder gar auf zwei weitere Spieler für die rechte und linke Außenbahn, da man sich insbesondere vom Rumänen Raducanu mehr Durchschlagskraft im Sturm versprach. In einem letzten Kraftakt verpflichtete der DSC noch kurz vor Toreschluß den albanischen Spielmacher Ervin Skela, der sich in Frankfurt verpokert hatte und nun als Garant für den Klassenerhalt das Spiel lenken sollte. Alle Experten stuften den DSC vor der Saison mal wieder als Abstiegskandidaten Nummer 1 ein. Die neue Saison begann mit einer knallenden Fehlzündung. Reichte es gegen Mönchengladbach noch zu einem mageren 0:0 in der Schüco- Arena, gingen die beiden folgenden Partien gegen Bochum und Bayern München verloren. Zu allem Übel verletzte sich Isaac Boakye, der Top-Torjäger des Vorjahres bei der Olympiade schwer am Knie und fiel die gesamte Hinrunde ebenso aus, wie Abwehrrecke Marcio Borges, unumstrittener, scheinbar unersetzbarer Stammspieler in der Innenverteidigung. Für letzteren zauberte Uwe Rapolder Nachwuchsverteidiger Mathias Langkamp aus dem Hut. Der 19jährige machte seine Sache perfekt und bestritt alle Spiele der Hinrunde ohne größere Fehler. Im Sturm sprang jemand in die Bresche, den niemand auf der Rechnung hatte. Während der hochgelobte Raducanu enttäuschte und bald keine Rolle mehr spielte, wuchs Delron Buckley, der acht Jahre lang in Bochum als ewiges Talent und Sündenbock verschrien war, über sich hinaus. 10 Tore in der Hinrunde, dazu drei Assists, das waren mehr Tore, als er in den Bochumer Jahren zusammen erzielt hatte. Die Blauen sorgten in der Liga mit ihrem Konzeptfußball für Furore. Trainer Rapolder wurde plötzlich überall zur medialen Taktikschulung eingeladen, Buckley machte die Arminia als Sympathieträger in die Schlagzeilen und Patrik Owomoyela avancierte gar zum Nationalspieler. Die Bielefelder Fußballfans trauten ihren Augen kaum, ob der plötzlichen Positivschlagzeilen um ihren DSC. Die Winterpause kam und natürlich ging es in Bielefelds Führungsetage mal wieder nicht ohne Theater ab. Rainer Ludwig wurde wegen angeblicher Indiskretionen aus dem Amt gedrängt, die Probleme zwischen Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch und Thomas von Heesen traten offen zu Tage. Allein der sportliche Erfolg rettete von Heesen in seinem Amt und der Vertrag wurde bis 2006 verlängert. Vertrauensbeweise sehen anders aus! Ludwig erwehrte sich der Vorwürfe über die örtlichen Zeitungen und es wurde wieder einmal deutlich, dass der Bielefelder Vorstand mit dem Profifußball ab und an etwas überfordert ist. Das Transferkarussell drehte sich auch in der Winterpause kräftig. Der enttäuschende Raducanu sollte gehen, fand aber keinen Verein. Maric ging nach nur einem halben Jahr ablösefrei nach Trier. Für Trajanov fand sich kein Abnehmer, Porcello verweigerte den Wechsel nach Karlsruhe und so wuchs der Kader durch die Neuverpflichtungen von Roberto Pinto (27,rechte Außenbahn, vereinslos), Diego Leon (19,zentrales Mittelfeld, B-Team Real Madrid) und Tomasz Wisio (22,defensive linke Außenbahn, SV Pasching) auf mehr als 25 Spieler an. Nachdem der Rückrundenstart gegen Mönchengladbach und Hannover 96 mit zwei 0:1- Niederlagen in die Hose ging, wurde das Sturmproblem unübersehbar. In einer wilden Aktion versuchte die sportliche und finanzielle Führung auf den letzten Sticken einen Transfer vom abgewanderten Ex-Torjäger Arthur Wichniarek zum DSC möglich zu machen. Dieser spielte in Berlin keine Rolle mehr und sollte abgegeben werden. Der Transfer scheiterte am letzten Tag der Transferperiode an den Ablöseforderungen des abgebenden Vereins Hertha BSC Berlin und kurz vor Transferschluss wurde mit dem kroatischen Nachwuchsstürmer Radomir Dalovic der letzte Neuzugang präsentiert. So ging es dann am dritten Spieltag der Rückrunde zum VFL Bochum. Der Abstand auf die auf Rang 16 stehenden Bochumer betrug vor diesem Spieltag neun Punkte und das Spiel galt als richtungsweisend. Heraus kam ein Ergebnis, das nicht Fisch und nicht Fleisch bedeutete, denn das Spiel endete nach Toren von Madsen (FE) und Buckley 1:1 unendschieden. Das positive war Buckleys 11. Saisontreffer, aber die Blauen hatten erneut alles andere als überzeugend agiert und am Ende Glück, dass sowohl ein Treffer der Bochumer ebenso nicht anerkannt wurde, wie ein klarer Strafsoß. Spielerisch lief nicht viel zusammen und ausgerechnet in diese Schwächeperiode hinein kam der Rekordmeister aus München auf die Alm. Was folgte, war die Schneeschlacht von Bielefeld. Am Morgen des Spieltages fielen die ersten Schneeflocken. Da war es bereits zu spät für die Rasenheizung und bei Anpfiff lag ein leichter, weisser Flaum auf dem Rasen der Bielefelder Alm. Arminia zelebrierte Konterfußball vom feinsten. Nach einer Standardsituation gingen die Blauen durch Porcello mit 1:0 in Führung. Zwei Kontertore von Delron Buckley bei einem Gegentreffer von Lucio per Freistoß machten den 3:1- Sieg der Arminen über die großen Bayern perfekt. Als schlechte Verlierer schoben diese die Niederlage auf die angeblich irregulären Platzbedingungen, aber die 26601 Besucher wussten es besser. Arminia hatte die scheinbar übermächtigen Bayern verdient geschlagen. Überhaupt gab es für Spitzenteams in der Schüco-Arena wenig zu holen. Einzig gegen Stuttgart hatte Arminia die ganze Saison keine Chance und der HSV gewann in einem rassigen Spiel mit 3:4, ansonsten liessen die Teams hier zumeist Federn. Dennoch war die Rückrunde nicht mehr annähernd so stark wie die Hinrunde, aber der Klassenerhalt geriet nicht mehr ernsthaft in Gefahr und wurde frühzeitig in der Saison mit einem 3:1- Sieg gegen den SC Freiburg gesichert. Man erreichte sogar erstmalig das Halbfinale des DFB- Pokals, wo man auf der Alm vor ausverkauftem Haus, trotz größter Euphorie im Umfeld, unglücklich mit 0:1 am späteren Pokalsieger und deutschen Meister FC Bayern scheiterte. Sportlich konnte der Club 2004/2005 auf eine der erfolgreichtsen Saisons der Vereinsgeschichte zurück blicken. Dafür gab es im Umfeld erneut eine Schmierenkomödie, die dem Bielefelder Klüngel mehr als gerecht wurde. Es begann das große Wechseltheater. Der enttäuschende Skela gab früh seinen Wechsel nach Lautern bekannt, dazu kamen Lense (Nürnberg), Langkamp (Wolfsburg), Owomoyela (Bremen), Rauw (Aachen) und zu guter letzt auch noch Toptorjäger Buckley, der aufgrund einer Ausstiegsklausel für 450 000,-€ zur hochverschuldeten Borrussia aus Dortmund wechselte. Es fand ein wahrer Ausverkauf in der erfolgreichen Mannschaft statt, was am Ende auch Trainer Rapolder trotz großer Transfereinnahmen und der frühzeitigen Verpflichtung seiner Wunschspieler Korzynietz (M'Gladbach), Krupnikovic (Hannover 96) und Westermann (Greuther Fürth), nach wochenlangem hin und her dazu veranlasste, den Verein in Richtung 1. FC Köln zu verlassen. Mal wieder stand der Club nach einer phantastischen Saison vor einem Scherbenhaufen. Für die neue Saison wurde schnellstens ein Trainer benötigt. Das Amt übernahm schließlich Sportdirektor Thomas von Heesen, der zum einen der geeignetste Kandidat zu sein schien, um den Systemfußball der Vorsaison fortzusetzen und der auf der anderen Seite das ständige Kompetenzgerangel mit Schatzmeister Kentsch leid war. Als neuer Sportdirektor kaufte der DSC sich Reinhard Saftig ein, der zuvor als Talentscout für Borrussia Dortmund tätig war. Zusätzlich zu den genannten Neuen, wurden Sibusiso Zuma (Kopenhagen), Christian Schwegler (FC Luzern), David Kobylik (Sigma Olmütz) und als echter Kracher noch der 23jährige Ex-Nationalspieler Tobias Rau von Bayern München verpflichtet. Zwar schienen damit die Abgänge mehr als nur kompensiert, doch musste Trainer von Heesen aus diesen Spielern zunächst mal eine Mannschaft formen. Das war kein einfaches Unterfangen, vor allem, weil sich neben Abwehrchef Gabriel mit Innenbandriß auch noch Rüdiger Kauf, einer der besten und nahzu unersetzlichen Spieler der Vorsaison, schon im Juli einen Kreuzbandriß zuzog und so für mindestens ein halbes Jahr ausfiel. Entsprechend schleppend verlief der Saisonstart. Das Rapoldersche 4-2-3-1- System wurde übernommen. Durch den unerwartet langen Ausfall von Gabriel musste von Heesen bereits am ersten Spieltag improvisieren und mit Heiko Westermann für Gabriel und Michael Fink anstelle von Kauf gleich zwei ganz junge Leute einbauen. Zu allem übel fiel auch noch Neuzugang Kobylik mit Innenbandverletzung aus. Am ersten Spieltag in Bremen kam man gegen den besten Sturm der Liga auch gleich mit 5:2 unter die Räder. Spielerisch lief erst mal herzlich wenig zusammen. Im defensiven Mittelfeld musste von Heesen ständig umbauen, versuchte es mit Dammeier und Porcello neben dem jungen Fink und es sah so aus, als wären die Verletzungen von Gabriel und Kauf nicht zu kompensieren. Einzig Sibusiso Zuma sorgte mit spielerischer Eleganz und technischer Brillianz für Lichtblicke. Die Besorgnis erregende magere Punktausbeute von sechs Punkten nach fünf Spieltagen hatte für die Nachverpflichtung von Radim Kucera aus Olomouc gesorgt. Zwar stabilisierten sich Westermann und Fink auf recht hohem Niveau, aber zählbares kam nicht heraus. Dennoch wurden die aufeinander folgenden Heimspiele des Spieltages sechs und sieben gegen Kaiserslautern und Mönchengladbach mit 0:0 und einem 0:2 mit kläglichster spielerischer Vorstellung über die Bühne gebracht. Zu allem Überfluß verletzten sich nun auch noch Vata, Porcello und Krupnikovic. Der DSC lag am Boden. Aus der Not der Verletztenliste heraus stellte von Heesen sein System um. In Leverkusen lief die Arminia zum ersten Mal in der Saison im klassischen 4-4-2 mit der Doppelspitze Zuma/Boakye auf und spielte hervorragend. Das Spiel endete mit einem für Leverkusen mehr als glücklichen 1:1, weil erst in der 85. durch ein abgefälschtes Tor der Ausgleich fiel. Boakye erzielte sein erstes Saisontor, der schon abgeschriebene Marco Küntzel präsentierte sich bärenstark auf der rechten Außenbahn und man merkte sofort, dieses Spiel lag dem neuen Arminenstar Zuma wesentlich besser. Arminia startete eine ungewöhnliche Serie, schlug mit begeisternden Vorstellungen Hertha BSC zu Hause 3:0, gewann anschließend in Nürnberg durch zwei Tore von Leon und Zuma in der 85. und 87. Minute nach Rückstand noch mit 2:3. Im Pokal schlug man Cottbus nach 0:1- Rückstand durch zwei Tore von Marco Küntzel mit 2:1, um im nächsten Heimspiel Hannover 96 Dank des überragenden Sturmduos Zuma/Boakye mit 4:1 regelrecht vorzuführen. Die Siegesserie mit plötzlich 15 Punkten nach 11 Spieltagen endete mit einem rapiden Leistungseinbruch und einer 3:0 - Niederlage ausgerechnet beim direkten Abstiegskonkurenten Frankfurt. Man war wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, aber immerhin auf Rang 10 in der Tabelle. Dennoch hatte die schwache Leistung in Frankfurt zu denken gegeben. Wieder einmal standen die Vorzeichen vor einem Heimspiel gegen die Bayern nicht besonders gut...
to be continued..... |