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Renovieren bei Oma und Opa

Was für ein Tag! Renovieren und tapezieren bei Oma (72) in der Küche. Steckdosen stemmen für ein neues Funktelefon im Flur und neue Steckdosen unter Putz in der Küche verlegen.
Gut, dafür nimmt man sich besser einen Tag Urlaub. Hab ich dann auch gemacht und bin um 8.00 Uhr zu Oma getigert, bewaffnet mit Bohrhammer, Meißel, Hammer, Gips, Werkzeug und diversen Utensilien, die man als Elektriker so benötigt. Als ich ankam war Opa (77) schon unterwegs zum Bäcker gewesen und wartete mit Brötchen, Kaffee und Schoko-Croissant, Aufschnitt, Fleischsalat und Marmelade. ’’So Junge, nu erst mal frühstücken, ist eh noch zu dunkel. Trink man erst Kaffee.’’ Gesagt, getan und schon begann der Tag fast wie ein Sonntag. Also hab ich mich dann um halb neun mühselig – und unter Opas Protest – vom Stuhl hoch gequält um anzufangen. Es begannen erste Verhandlungen mit resoluter Oma um Lage und Richtung der neuen Steckdosen. Ich mach ja fast alles!
Flux noch Folie ausgelegt und Handtücher – ’’Oma, die kannste hinterher wegwerfen!’’ ’’EGAL, mach man.’’ – dann ging’s mit Wasserwaage, Bohrmaschine, Dosensenker und Meißel so was von dabei, der Staub bei einer Hochhaussprengung kann auch nicht wesentlich dichter sein. Verdammter Sandputz! Mittendrin die hustende Oma, wie sie mit alten Laken die Türritzen abdeckt und ’schon mal gerade daher putzt, dann ist’s gleich nicht so viel!’’
Dann ging es ans Gips anrühren und die ersten Steckdosen wurden atombombensicher in der Wand verankert. Zwischendurch linst Opa – schnieke in Hemd und Strickjacke – mal eben durch die Tür. ’’Na? Geht’s? Das ist ja alles Pfusch hier, da haben die früher schlampig gearbeitet!’’ Die schon. Ich nicht! Wenn irgendwann mal dieses Haus zusammenfällt, dann wird man einen fetten Gipsklumpen mit einer intakten Dreiersteckdose finden.
Schnell alles professionell mit dem Schwamm geglättet, dann stand das Stemmen des Schlitzes für die Steckdose im Flur bevor. Staubsauger dranhalten ist dabei hoffnungslos, dies sah auch Oma ein. Also den High-Tech-Bohrhammer von Metabo ausgepackt und losgerüttelt. Wieder Staubwolken, welche die Sonne verdunkelten, aber dann war alles erledigt. Kabel verlegt und die Steckdosen angeschlossen und angeschraubt, da war Oma lecker zufrieden. Das neue Telefon in die Dose gesteckt und – oh Schreck – der Schrank stand zu weit von der Wand, weil niemand an das hervorstehende Netzteil gedacht hatte.
Also hat Enkelsohn unter den entsetzten Augen von Opa, Oma und inzwischen eingetroffener Mutter kurzerhand mit der Stichsäge ein faustgroßes Loch in die Rückwand gesägt. Nach kurzer Schwächperiode erschloss sich aber auch Opa der Sinn dieser Tätigkeit und er war ruckzuck wieder auf seinem Sofa verschwunden.

Eigentlich hätte nun die Tapeziererei beginnen sollen, doch nun hat meine Oma mich des Feldes verwiesen. Tapezieren tut sie nämlich sau-gern und es ist ein Bild für die Götter, wie diese jung gebliebene, alte Dame die Leiter rauf und runter teckert und mit Wasserwaage und Quast hantiert. Also hat sie mich kurzerhand rausgeworfen, nicht ohne mich vorher noch einmal mit Kartoffelsalat und Würstchen voll zu stopfen.
Nun knirscht mir zwar noch der Rest Putz und Staub zwischen den Zähnen, aber bewegen kann ich mich nicht mehr. Dazu hab ich zu viel gefuttert!