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Ich bin ja Frühaufsteher. Also zumindest am Samstag. Ich habe oftmals einiges zu erledigen. Da stehe ich meist um halb sieben oder sieben auf, weil ich gern alle möglichen Einkäufe und Aufräumarbeiten so früh wie möglich fertig haben möchte, um so ab 10.00 Uhr Zeit für ein ausgiebiges, ruhiges Frühstück und die Zeitung zu haben.
Dadurch kommt es vor, dass ich um halb acht schon beim Bäcker und Schlachter war und nun noch flux zum real muss, um Wasser/Bier oder ähnliches zu holen. Geht es bei Bäcker und Schlachter schneller, steht man beim real auch schon mal fünf Minuten vor Ladenöffnung auf dem Parkplatz.
Wer nun allerdings glaubt, um 7.55 Uhr sei man dort allein, der muss sich deutlich getäuscht sehen. Ich bleib dann immer entspannt im Auto sitzen und schau mich um. Da stehen um die Zeit nämlich schon immer mindestens 10-15 Leute vor der Tür. Ein Schmelztiegel der Gesellschaft. Vom Rentner bis zur Hausfrau ist dort alles vertreten. Verschiedene Menschen mit einem gemeinsamen Ziel: "Ich muss da als erste(r) rein!" So stehen sie da, mit verbiesterten Gersichtern, die Hacken in den Teer gepresst, Ellenbogen ausgefahren, den Einkaufswagen quasi in Poleposition, um auch wirklich als erste den Markt zu stürmen. Der erste bekommt den goldenen Einkaufswagen am Band, der zweite Platz wird auf dem Kundenlokus aufgehängt.
Da wird geschoben und gedrängelt, aber es wird kein Wort gesprochen. Ein freundliches "Guten Morgen" scheint eine Art Sakrileg zu sein. Aber klar, es ist wie beim Tennis, da stört sowas auch die Konzentration! In Kürze muss Höchstleistung abgerufen werden. Schließlich gibt es morgen womöglich nichts mehr!
Um Punkt acht öffnet einer der Mitarbeiter dann die Schiebetüren. Diese Aufgabe darf niemand mehr übernehmen, der älter als 40 ist. Da lassen die Reflexe nämlich langsam nach und der arme Tropf könnte nicht mehr rechtzeitig an die Seite springen. Er würde von den ersten Wagen gnadenlos überrollt. Deshalb müssen das immer die jüngeren oder die ersetzbaren Azubis machen.
Immer noch im Auto sitzend, kann ich, sobald die Tür geöffnet wurde, fasziniert verfolgen, wie Menschen um die 50 (die offensichtlich zu spät gekommen sind) , ja stellenweise sogar Renter, aus dem gerade geparkten Auto springen und regelrechte Sprints einlegen, um zusammen mit den ersten in den Laden zu stürmen. Ehrlich, ich sehe beinahe jeden Samstag Morgen Menschen, die rennen Richtung Eingangstür - und sie sind dabei nicht allein! Jedes Mal sehe ich das und jedes Mal schüttle ich den Kopf und denke: "Hey, ihr Einkaufsjunkies, der Laden macht gerade auf, nicht zu !!!" Aber wer weiß, vielleicht sind zwölf Stunden Öffnungszeit ja noch zu knapp bemessen.
Ich warte den ersten Schwung immer ab, steige dann aus und gehe ganz entspannt in den Laden, kaufe meine Sachen ein und bemühe mich, nicht in Hektik zu verfallen. Wenn ich dann um halb neun mit Brötchen und Getränken aus dem Laden komme, ist der Parkplatz rappelvoll und die Schlangen an den Kassen gehen bis zum Gemüsestand (wieso das so ist, lest ihr hier ).
Wer den goldenen Einkaufswagen bekommen hat, geht mir meist durch die Lappen, aber wenn ich zu Hause bin, dann bin ich immer ganz entspannt - weiß ich doch, dass ich trotz Platz 23 tatsächlich auch noch das bekommen habe, was ich einkaufen wollte.
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