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chinesisches Buffett - oder auch...

...man is(s)t deutsch!

Es nimmt immer mehr überhand. Bei jedem zweiten China-Restaurant gibt es mittlerweile neben der Karte auch an einem oder mehreren Tagen Buffet. Mal gibt es dieses Buffet mit rohem Fleisch und frischem Gemüse, dann ist es kein Problem. Flux ist die Komposition aus Huhn, Brokkoli und Blumenkohl zusammengestellt. Nun wird lediglich erwartet, dass man zusätzlich noch eine Soße aussucht, die Tischnummer angibt und die ganze Schose dem Typ an seiner Lotusbruzze zur Fertigung im Wok überlässt. Das Gericht bekommt man an den Tisch gebracht und dieser Vorgang wiederholt sich, bis ein gewisses Sättigungsgefühl eintritt. So ist es gedacht. Man muss nur wissen, wie es läuft.


In Deutschland läuft es oft anders. Manch einer versucht sich gar an dieser Form des Buffets zum ersten Mal. So zum Beispiel der etwas ältere, dickbäuchige Herr, welcher fein säuberlich auf seinem Teller die Fleischsorten Schwein, Rind und Huhn zu kleinen getrennten Häufchen auftürmt. Dazu den Salat fein sortiert um den Rand, ein wenig Gemüse mit Paprika in der Mitte, ebenso etwas Reis. Dann sucht er mit Kennerblick noch flux die Soßen Dschingis Khan scharf, Erdnuss und Knoblauch extra aus, welche vorsichtig, aber recht üppig, unter den verständnislosen Blicken der umstehenden Buffetesser über die einzelnen Fleischsorten geträufelt werden. Als Trennung werden hierbei noch kleine Maiskölbchen zwischen die Fleischsorten gepuzzelt. Es soll ja nichts ineinander überlaufen.
Interessant sind dann die herausquellenden Augen und das entgeisterte Schnappen nach Luft, wenn der Chinese am Wok eben jene Zusammenstellung samt Salat ohne viel Federlesen in den selbigen kippt, um dem entsetzten armen Kerl dann seine kurzgebratene, ganz und gar nicht mehr getrennte, Scharfe Knoblauch-Erdnuss-Komposition unter dem fiesen Grinsen der anderen Kunden zurück auf den Teller zu kippen. Natürlich regt sich der Mann ganz furchtbar auf und findet es ungenießbar und eine absolute Frechheit, was da gerade abgelaufen ist. Keine Esskultur, diese Japse – oder was auch immer das für gelbe Kerlchen sind!


Wir entdecken selbigen älteren Herrn zwei Wochen später bei einem anderen Chinesen. Die Blamage von damals sitzt noch tief, jetzt geht’s zum Lotusgarten an der Ecke, da gibt’s Krombacher, man spricht deutsch und das Futterbuffet steht fertig gebraten und zusammengestellt bereit. Ganz was anderes, als diese zusammengepanschte Mixpampe, so verkündet er vollmundig. Also Brust rein, Bauch raus und ab geht’s an die Teller. Die Suppe lassen wir mal weg, die Vorspeisen auch. Er flaniert vorbei, an Erdnuss-Hühnchen, Szechuan-Rotbarsch, Ente-Süss-Sauer, Hummer gebacken, Rind frittiert, Huhn geschnitten und Schwein geraspelt. Einmal mit Kennerblick in die Runde, dann wird das Gericht zusammengestellt. Kleine Portionen kennen wir nicht, schließlich sind wir in Deutschland, also wird alles auf den Teller gehäuft, was das Buffet zu bieten hat. Jede angebotene Wok-Komposition, ob Fisch, ob Fleisch, ob Vegetarisch, wird einmal rund um den Teller drapiert. Zentral finden die Krabbenchips ihren Platz inmitten der Szechuansoße, obendrauf lädt er noch just die Frühlingsrollen, welche rechts in die süß-saure Ente dippen und deren Teig sich links beim Erdnusshühnchen voll saugt. Um das ganze abzurunden, kommt darauf noch die leckere scharfe Soße, die viel besser ist, als jene beim rohen Buffet, wo sie einfach alles zusammen in einen Wok klatschen.
Mit dem Teller, samt aufgetürmten Essensbergen wird dann zum Tisch balanciert, um dort lautstark erst mal ein Krombacher zu bestellen und den ganzen zusammengelaufenen Rotz mit Messer und Gabel in einer affenartigen Geschwindigkeit förmlich zu inhalieren.

Diese Prozedur wird vorzugsweise solange wiederholt, bis ein Aufstehen nicht mehr möglich ist, ohne einen der anderen Gäste mit dem abspringenden Hosenknopf ernsthaft zu verletzen. Aber schließlich zahlt man pauschal, da will man auch satt werden. Der schönste Tod ist platzen!

Um den Brechreiz wenigstens solange zu unterdrücken, bis man zu Hause angekommen ist, bestellt der ältere Herr dann den dringend benötigten Verteiler, der aber aufgrund fehlender Lücken im Magen nicht in selbige fließen kann und so wirkungslos auf dem Mageninhalt herumschwappt. Dabei wird die Magenpforte das eine oder andere Mal locker vom Schnaps überwunden und ein herrliches Sodbrennen breitet sich aus. Sodann begibt sich der ältere Herr nach Hause, um seinen zahlreichen bekannten vollmundig und mit wissender Miene zu verkünden: "So ein Buffet, das ist ganz was anderes, weil man sich sein Essen gezielt zusammenstellen kann. Nicht zu vergleichen mit dem rohen Mist von damals!"

Ja, das war wahrlich ein fürstliches, abgerundetes Mal, ganz auf deutsche Art!